Der Lichtdesigner und -künstler Antonius Quodt im exklusiven Gespräch

Multimediale Inszenierung in der Shop-Beleuchtung

Antonius Quodt ist der kreative Kopf und Geschäftsführer der LightLife Gesellschaft für audiovisuelle Erlebnisse mbH in Köln, Berlin und Wien. Der geprüfte Beleuchtungsmeister zeichnete zunächst für diverse Beleuchtungskonzepte bei Tournee- und Konzertproduktionen für Künstler wie André Heller, José Cura oder Mario Adorf verantwortlich.

1994 verlagerte er seine Tätigkeiten in den Fachbereich der Architekturinszenierung, wobei die Umsetzung moderner Retail-Bereiche in diesem Zusammenhang für ihn eine besondere Herausforderung darstellt. Seine Erfahrungen basieren auf klassischen Shopkonzepten bis hin zu multimedialen Firmendarbietungen, wie Messeauftritte oder Showrooms.

Auch temporäre Lichtinstallationen, wie hier im Autosalon Renault „The Bump“ (MONDIAL DE L’AUTOMOBILE PARIS 2012) gehören zu den großen Leidenschaften des Lichtkünstlers Antonius Quodt.
Auch temporäre Lichtinstallationen, wie hier im Autosalon Renault „The Bump“ (MONDIAL DE L’AUTOMOBILE PARIS 2012) gehören zu den großen Leidenschaften des Lichtkünstlers Antonius Quodt.

Durch die rasante Entwicklung der LED-Technik spricht man von einer technologischen Revolution, die sich vermutlich auch im Shop-Bereich widerspiegelt. Inwiefern haben sich die Anforderungen der Architekten und Bauherren geändert und wie gehen Sie damit um?
Tatsächlich ist gerade in diesen Bereichen in den letzten Jahren ein extremer Umschwung zu bemerken. Anfängliches Misstrauen, wie wir es bei der Einführung neuer Entwicklungen eigentlich gewohnt sind, konnten nachweislich aus dem Weg geräumt werden, so dass es bei kompletten Restaurierungen oder Neubauten eigentlich keinerlei Diskussion mehr über die zu verwendende Lichttechnik gibt. Die niedrigen Energiekosten, die hohe Lebenserwartung und die niedrige Temperaturentwicklung der LED-Leuchten sprechen für sich und sind im Augenblick geradezu ohne Alternative.

Einzig in Ländern mit wesentlich geringeren Strompreisen, wie dies beispielsweise in Österreich der Fall ist, haben wir bei der Erneuerung einer Ladenbeleuchtung schon das ein oder andere Argumentationsproblem, denn die Amortisationsrechnungen gehen hier oftmals einfach nicht auf. Auch die anfänglichen Probleme mit schlechten Farbwiedergabewerten sind beim Einsatz von qualitativ hochwertigen Produkten eigentlich nicht mehr vorhanden. Hier ist die Entwicklung glücklicherweise so schnell, dass die Themen nur eine kurze Relevanz haben. Ein garantierter Farbwiedergabeindex zwischen 90 und 95 ist für uns im anspruchsvollen Shopbereich unabdingbar! Leider kann man sich hier nicht auf alle Herstellerangaben verlassen – gerade diverse No-Name-Produkte haben da außergewöhnlich hohe Toleranzen.

Bedeutet dies, dass das Rennen um die höchsten Leistungswerte hinsichtlich der Energieeffizienz ein wenig abflacht und jetzt andere Argumente für Sie in der Planung von Bedeutung sind?
Ganz genau! Das Thema Lumen pro Watt ist natürlich nach wie vor interessant und beachtenswert – aber hier bewegt sich aufgrund physikalischer Gesetze in den uns bekannten Entwicklungsstufen nicht mehr so viel. Es geht nun endlich wieder um Lichtqualität und die spektakulären Möglichkeiten, die uns die LED-Technik zu bieten hat. Damit meine ich nicht nur die Größe der Module, die uns zu immer neuen Sonderlösungen beflügelt, sondern auch die Möglichkeiten, welche durch die moderne Lichtsteuerung gegeben sind. In diesem Umfeld fühlen wir uns ganz besonders wohl.

Instore-Entertainment-Installation im Kölner comma Store bestehend aus einem zentralen Streifen mit hochauflösenden Videodisplays (Pixelpitch 6,67 mm), eingerahmt von ca. 100 Stück 64PXL-LED-Boards hinter satinierten Flächen.
Instore-Entertainment-Installation im Kölner comma Store bestehend aus einem zentralen Streifen mit hochauflösenden Videodisplays (Pixelpitch 6,67 mm), eingerahmt von ca. 100 Stück 64PXL-LED-Boards hinter satinierten Flächen.

Das wäre meine nächste Frage gewesen, denn Ihre Schwerpunkte liegen u. a. in den Bereichen der medialen Inszenierung und der Steuerungstechnik. Mit welchen Argumenten überzeugen Sie Ihre Kunden von solch komplexen Systemen?
Das ist natürlich nicht immer leicht, denn wir haben es oft mit mittelständischen Kaufleuten zu tun, bei denen die Kosten eines Umbaus oder gar eines komplett neuen Shopkonzeptes meist an erster Stelle stehen. Und eine multimediale Inszenierung wird oftmals „nur“ als ein „Goodie on top” gesehen, da sie mit der eigentlichen Grund- und Akzentbeleuchtung der Ware und der Verkaufsräume nicht im direkten Zusammenhang steht. Doch wenn wir erst Interesse geweckt haben und unsere Konzepte in lebendige Musteraufbauten verarbeiten durften, so haben wir bislang noch keinen emotionalen Misserfolg erzielt. Glücklicherweise wurden wir für diese Arbeit immer ausreichend belohnt und durften alle größeren Konzepte meist voluminöser als ursprünglich angedacht umsetzen.

Ich könnte mir vorstellen, dass die Angst des regionalen Handels vor den unberechenbaren Entwicklungen der Internetshops die Entscheider lähmt und eventuell notwendige Investitionen zurückgehalten werden.
Die Gefahr besteht zweifelsohne. Und ich benenne es ganz bewusst als „Gefahr”, denn der Stillstand ist erfahrungsgemäß gerade im Einzelhandel der sichere Tod. Natürlich ist es nicht damit getan, eine blinkende LED-Wand in ein Ladenlokal zu stellen, um den aktuellen Wettbewerb mit dem Internethandel zu überstehen oder gar davon zu profitieren. Hier sind komplexe Konzepte notwendig, die weit über die Beleuchtung oder Lichtinszenierung hinausgehen. Aber ich kann trotzdem guten Gewissens sagen, dass multimediale Faktoren sehr gut in der Lage sind, moderne Shopkonzepte effektiv abzurunden und eine Markenbildung entsprechend positiv zu beeinflussen. Denn letztendlich geht es darum, die Vorteile des schnellen Onlinekaufs mit einem unvergleichlichen Erlebnis vor Ort außer Kraft zu setzen und sich so dem Konkurrenzdruck gar nicht erst stellen zu müssen.

Es gibt nur wenige Menschen, mit denen ich mich tagtäglich unterhalte, die sich in den Innenstädten nicht nach mehr Einkaufserlebniswelten sehnen. Und das betrifft nicht in erster Linie die Angebotsvielfalt, sondern die Anregung unserer Sinne. Sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen – Dinge, die sich über das Internet nur schwer transportieren lassen und so dem stationären Handel einen klaren Vorteil bieten. Die nächste Generation wird dahingehend noch wesentlich größere Anforderungen haben, was sich an der Außendarstellung diverser Artikel und Marken für Teenager schon ablesen lässt.

Sie meinen, dass unsere Städte demnächst alle ein wenig „Las Vegas like“ werden?
Oh nein – das wäre der absolut falsche Ansatz, denn die Beleuchtung zum Selbstzweck ist in diesem Zusammenhang nicht förderlich! Sehr wohl gibt es Inszenierungen, bei denen es auch mal blinken und hupen darf, aber für ein erfolgreiches Verkaufskonzept sollte es doch ein wenig subtiler sein. Und an der Stelle lassen sich dann auch die Auftraggeber überzeugen. Es geht letztendlich darum, kleine Dinge größer zu gestalten, auf kleinem Raum viel Auswahl zu präsentieren und die modernen Kommunikationsmöglichkeiten effektiv zu nutzen. Ein Beispiel für die Präsentation der kleinen Dinge ist z. B. der Juwelier. Schauen Sie in ein klassisches Schaufenster, ist es schon schwierig, sich zu fokussieren, das Wesentliche zu erfassen und die Ware wirklich gut betrachten zu können. Dabei gibt es inzwischen reichlich Möglichkeiten, dies medial zu verändern – ob über Projektionen, Bildschirme oder Smartphones. Die Qualität solcher Darbietungen hat sich so weit entwickelt, dass es hier eigentlich auch keine Grenzen mehr gibt.

Gleiches gilt für begrenzten Präsentationsraum, sprich kleine Schaufenster oder Aktionsflächen. Diese lassen sich über mediale Techniken so sehr erweitern, dass es schon fast schwer fällt, dies sinnvoll zu limitieren. Ebenfalls können so auf kleinstem Raum umfangreiche Kollektionen präsentiert werden, wie es sonst eben nur das Internet kann. Letztendlich geht es auch darum, die limitierten Einkaufszeiten über mediale Möglichkeiten zu erweitern, ohne dass es zu teurem Personaleinsatz kommen muss. Und wenn hier noch sinnvolle Verknüpfungen zum allgegenwärtigen Smartphone ausgeführt werden, schließt sich der Kreis: Die Voraussetzungen für eine Abgrenzung sind erfüllt und der Reiz des Internets diesbezüglich genommen. Ich will die Onlineshops natürlich nicht verteufeln oder gar deren Daseinsberechtigung anzweifeln. Aber ich glaube definitiv an eine neue Einkaufswelt in unseren Innenstädten, eine Einkaufswelt, die es beherrscht, die Vorteile beider Seiten entsprechend zu nutzen und so ein ganz neues Einkaufserlebnis schafft. Wir arbeiten in jedem Fall daran!

Erwarten Ihre Auftraggeber auch durch Beleuchtungslösungen die Stärkung und Unterstützung ihres persönlichen Markenauftritts?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten, denn dabei kommt es doch sehr auf den individuellen Background des Kunden an. Soll heißen, inwieweit er sich selbst bereits mit der eigenen Markenbildung beschäftigt hat bzw. wie hier die eigenen Prioritäten geartet sind. Wenn die Marke bereits ein Gesicht hat und die Themen Corporate Identity und Corporate Design im Vorfeld abgearbeitet sind, so wäre es natürlich absolut verwerflich, hier nicht mit der Beleuchtung und den Lichtinszenierungen das Maximum aus den Möglichkeiten herauszuholen. Das kann sich in Formen und Farben widerspiegeln, aber auch Stimmungen und Emotionen unterstützen, um so die Marke weiter zu schärfen und dem Kunden näherzubringen.

Allerdings ist es hier entsprechend aufwendig, die Konzepte überzeugend zu vermitteln, denn wir kommen bei solchen Projekten nur selten um einen beispielhaften Aufbau herum. Doch als Lichtplaner ist es unsere Pflicht, solch globale Lösungen zu thematisieren und anzubieten, sonst würden wir unter unseren Möglichkeiten arbeiten und den Kunden eine sehr interessante und vor allem lohnenswerte Investition unterschlagen. Wo auch immer die Reise eines jeweiligen stationären Fachhändlers hingehen soll, so muss die Beleuchtungslösung diesen Weg sinnvoll, effektvoll und effektiv begleiten, um wirklich als gelungen betrachtet werden zu können. Und wenn wir rechtzeitig zur Projektplanung mit ins Boot genommen werden, so steht einer erfolgreichen und kostenorientierten Lösung eigentlich nichts im Wege – jedenfalls nicht von unserer Seite aus.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Alexander Schwarz 

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