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Architekturlicht

Neues Licht für Liebfrauenkathedrale in Antwerpen

Die Liebfrauenkathedrale in Antwerpen zieht mit ihren Kunstschätzen und ihrer Architektur jährlich etwa 360.000 Besucher an. Seit Herbst 2018 inszeniert eine neue Anstrahlung das Meisterwerk flämisch-brabantischer Baukunst. Die reiche Ornamentik und das Maßwerk, die prächtigen Türme und Fialen, Giebel, Gesimse und Portale sind jetzt auch bei Dunkelheit detailreich erkennbar. Gleichzeitig präsentiert sich die Domkirche aus der Ferne als brillantes Highlight in Antwerpens Skyline. Für ihr Lichtkonzept setzte Lichtplanerin Susanna Antico mehrere Hundert Leuchten ein – ein großer Teil davon stammt von WE-EF.

(Bild: Serge Brison for WE-EF)

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Ein prominentes Beispiel für branbantische Baukunst ist die „Onze-Lieve-Vrouwekathedraal“ von Antwerpen. Der Nordturm des siebenschiffigen Kirchenbaus ist 123 m hoch und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Liebfrauenkathedrale ist von nahezu allen Standorten der Stadt aus zu sehen und hebt sich dominant aus ihrer Silhouette hervor. Angesichts der immensen Bedeutung des Bauwerks wurde das 500. Jubiläum der Fertigstellung des Turms im September 2018 natürlich gebührend gefeiert. Außerdem beeindruckt die Kathedrale seit diesem Geburtstag mit einer komplett neuen Anstrahlung.

Schon im Jahr 2012 hat Antwerpen in einem Masterplan gestalterische und technische Direktiven für die öffentliche Beleuchtung festgeschrieben. Sukzessive erneuert die Stadt nach diesen Vorgaben in vielen Bereichen die Lichtlösungen. Auch die Liebfrauenkathedrale ist ein Abschnitt in dem langfristig angelegten Modernisierungsprozess. Daher fungierten die Richtlinien des Licht-Masterplans auch als zentrale Kriterien des Wettbewerbs, den die Stadt für die Anstrahlung der Kathedrale ausgeschrieben hatte. Durchsetzen konnte sich im Bewerberfeld der Entwurf von Susanna Antico.

LED-Leuchten direkt an der Kathedrale installiert

Fragt man die Lichtplanerin nach den Grundideen ihres Konzeptes, wird schnell klar, wie gut es mit dem Masterplan korrespondiert: „Die vorhandenen Strahler waren mit Natriumdampf-Hochdrucklampen bestückt. Jetzt setzen wir moderne LED-Leuchten ein. Obwohl sich die Leuchtenanzahl deutlich erhöht hat, konnten wir den Energieverbrauch der gesamten Anlage um etwa 40 % senken“, erklärt Susanna Antico. Die Effizienzvorgaben hat man damit schon einmal souverän erfüllt, aber auch bezüglich der Lichtqualität wurden drastische Verbesserungen erreicht. Ein Schlüssel dafür war die Umpositionierung zahlreicher Lichtpunkte, die vorher auf den umliegenden Dächern und an Fassaden installiert waren und von denen das Licht teilweise aus großen Distanzen auf das Bauwerk traf. „Wir haben viele Leuchten jetzt direkt an die Kathedrale herangeholt. Dadurch genügen geringere Lichtströme, aber wir erreichen eine viel präzisere Lichtwirkung, das Streulicht wird erheblich reduziert und Blendung – trotz der vielen möglichen Beobachterpositionen – konsequent vermieden“, erörtert dazu die Lichtplanerin.

Die Leuchten wurden direkt an der Kathedrale installiert. (Bild: Fluvius-Belgium for WE-EF)

Komplexe Lichtlösung

So brillant die Idee war, die Leuchten direkt an der Kathedrale zu installieren, so anspruchsvoll war dann die Umsetzung in die Praxis. Zum einen mussten Arbeiten in beträchtlichen Höhen und mit besonderen Sicherungsmaßnahmen durchgeführt werden, zum anderen waren nur minimale Eingriffe in die historische Bausubstanz erlaubt. Hinsichtlich der Montageorte gab es somit viele Restriktionen. „Um trotzdem genau die gewünschten Lichtwirkungen zu erzielen, erwies sich die große lichttechnische Vielfalt der FLC Scheinwerferserie von WE-EF als sehr hilfreich“, konstatiert Susanna Antico. Bei diesem Projekt wurden FLC230, FLC240, FLC260 und FLC141 Scheinwerfer in großen Stückzahlen eingesetzt.

Die Scheinwerfer kommen mit unterschiedlichen Lumenpaketen und Lichtverteilungen von breit- bis extrem engstrahlend zum Einsatz. Teilweise sind sie mit zusätzlichen bandförmigen Streu- oder Wallwasher-Linsen versehen. Im Ergebnis konnten alle Bereiche der Kathedrale und die vielen Details und Schmuckelemente gut erkennbar ausgeleuchtet werden. Gerade die erhebliche Asymmetrie des Bauwerks – der Vierungsturm ist nur halb so hoch wie der Nordturm – war dabei eine Herausforderung. „Trotz der sehr unterschiedlichen Dimensionen musste ein harmonisches Lichtbild entstehen – egal ob man unmittelbar vom Fuß der Kathedrale nach oben oder aus weit entfernten Standorten auf das Bauwerk blickt“, erläutert Susanna Antico und ergänzt: „Über den gesamten Projektverlauf, aber insbesondere beim Finetuning der erforderlichen Leuchtenauswahl und -ausstattung haben wir die kompetente und zeitnahe Unterstützung durch WE-EF und den belgischen WE-EF Distributor Axioma sehr geschätzt.“

Die extrem engstrahlenden Lichtverteilungen für die vergoldeten Turmuhren, das Streiflicht für die filigranen Säulen der Glockenkammer, der sanfte Schimmer auf der in Farbigkeit und Form gänzlich vom Rest der Kirche abweichenden Haube des Vierungsturms oder die präzisen Nachzeichnungen der Strebepfeiler an den Kirchenschiffen und der Apsis sind nur einige Beispiele für die komplexe Lichtlösung. Viele dieser Pfeiler und auch die Portale mit ihren Spitzbögen, Säulen und Skulpturen werden mit WE-EF-Bodeneinbauleuchten erhellt. In unmittelbarer Nähe zur Fassade sind rund um die Liebfrauenkathedrale ETC130-GB und ETC140-GB im Boden installiert. Auch hier bot das Programm von WE-EF zu jeder Beleuchtungsaufgabe die passende Leistung und Lichtverteilung. Da Gimbal-Ausführungen mit kardanisch gelagertem Leuchteneinsatz verwendet werden, ließ sich die Abstrahlrichtung zudem flexibel um zwei Achsen ausrichten.

Detail der Kirchenbeleuchtung (Bild: Serge Brison for WE-EF)

Digitale Lichtsteuerung

Immer wieder neue Optionen, die Kathedrale zu inszenieren, bietet die Anbindung sämtlicher Leuchten an ein DMX-Lichtmanagement. Die WE-EF-Leuchten haben die dafür nötige Treiberschnittstelle und jeweils eine eigene DMX-Adresse von Hause aus mitgebracht. Aufgrund der großen Zahl der Lichtpunkte wurden kontextbasierte Leuchtengruppen gebildet, die sich einzeln ansteuern, also dimmen und schalten lassen. Außerdem stehen bereits vorprogrammierte Lichtszenen zum Abruf bereit. Die Farbtemperatur bleibt dabei stets konstant. Sie beträgt durchgehend 3.000 K. Das warme Licht harmoniert bestens mit dem Sandstein der Fassade.

Visuell enger verzahnt

Für Antwerpens Wahrzeichen ist eine stimmige Lichtlösung umgesetzt worden. Auch in den Abend- und Nachtstunden sind viele architektonische Details der Kathedrale jetzt gut erkennbar und werden deutlich plastischer abgebildet. Visuell enger verzahnt ist das Nachtbild der Kirche nun zudem mit den umliegenden Straßen, Gassen und Plätzen. Für sie wurde zeitgleich und ebenfalls von Susanna Antico eine neue Straßen- und Fassadenbeleuchtung geplant und ausgeführt. Im Gesamtensemble definieren fein ausbalancierte Lichtlevels plausible Hierarchien und warm- und kaltweißes Licht treten in einen spannenden Dialog. Die hohe Qualität der neuen Beleuchtung für die Kathedrale und das umliegende Stadtquartier wurde mit einen IALD Award of Excellence ausgezeichnet.


Daten & Fakten

Projekt: Anstrahlung Liebfrauenkathedrale in Antwerpen
Bauherr: Stadt Antwerpen
Lichtplanung: Susanna Antico Lighting Design Studio, Mailand, in Zusammenarbeit mit Arch. Gad Giladi, Lighting Designer und mit Input von Arch. Helena Gentili, Lighting Designer, Arch. George Balan, Lighting Designer und Mathieu Cieters, Grafikdesigner
WE-EF Distributor: Axioma, Waregem
Elektroplanung und Projektmanagement: Fluvius (vormals Eandis)
Elektroinstallation: Maes Industriële Verlichting, Elektro Zwijsen, Verstraete Enterprises

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