Lichtkonzept im Pierre Boulez Saal

Der von Frank Gehry „pro bono“ entworfene Pierre Boulez Saal in Berlin ist nicht nur mit seiner Architektur und seiner Akustik von Yasuhisa Toyota ein Glanzpunkt im Bereich der Konzertsäle, sondern auch in Sachen Lichtkonzept. Für die Umsetzung der Bühnen- und Saalbeleuchtung war Amptown System Company Berlin zuständig. 

Der Pierre Boulez Saal kann mit seinem expressiven und wandlungsfähigen Innenraum in verschiedenen Konfigurationen variabel gestaltet werden.

Florian Schaller

Der Pierre Boulez Saal kann mit seinem expressiven und wandlungsfähigen Innenraum in verschiedenen Konfigurationen variabel gestaltet werden.

Für den Konzert- und Veranstaltungsbetrieb bildet der 850 m² große Pierre Boulez Saal mit seiner Teleskoptribüne einen flexiblen und modularen Rahmen, um unterschiedliche Eventkonfigurationen mit mobilen Sitzreihen umsetzen zu können. So ist er gleichermaßen geeignet für Solisten, Kammermusik und kleine Orchester. Denn einerseits ist der Saal Spielstätte für die Studenten der Barenboim Said Akademie, andererseits kommerzieller Konzertsaal mit eigenem Musikprogramm für 680 Zuhörer und zugleich das musikalische Zuhause des neugegründeten Boulez Ensembles, das hauptsächlich aus Mitgliedern der Staatskapelle Berlin und des West-Eastern Divan Orchestra besteht.

Dabei wird die ovale Saalarchitektur von zwei Ellipsen geprägt, deren Achsen so gegeneinander verschoben sind, dass der Rang scheinbar schwerelos im Raum schwebt. Für die architektonische Ausführungsplanung, Ausschreibung und Objektüberwachung der Musikhochschule mit Industriecharakter waren die rw+ Architekten aus Berlin verantwortlich. Die gesamte Bühnentechnik wurde durch Florian Schaller vom Ingenieurbüro Schaller aus Karlsruhe geplant, ausgeschrieben und die Objektüberwachung durchgeführt. Für die Umsetzung der Bühnen- und Saalbeleuchtung war Amptown System Company (ASC) Berlin verantwortlich.

Dimmbare Lichttechnik 
Dabei wurde sowohl beim Architekturlicht für die Saalbeleuchtung als auch beim Szenischen Licht der Bühnenbeleuchtung darauf geachtet, dass eine 100-prozentige Dimmung ohne Anlaufsprung gewährleistet ist. Beide Anwendungen gehen nach Angaben des Systemhauses fließend ineinander über, alle Leuchten und Scheinwerfer können einzeln angesteuert werden. Die Kabeltrassen wurden im Konzertsaal hinter der Wandverkleidung versteckt und in Bezug auf die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) zur Abgrenzung an die AV-Medientechnik störungssicher installiert. Die LED-Vorschaltgeräte und die Leuchtenelektronik wurden zwecks Minimierung dieser Einflüsse weitestgehend aus dem Konzertsaal in den zentralen Technikrack- und Dimmerraum ausgelagert. Dafür kommt ein lichttechnisches System des englischen Herstellers GDS zum Einsatz, mit dem die LED-Leuchten selbst bei einem maximalen Abstand von ca. 90 m zu den Vorschaltgeräten zuverlässig und störungsfrei betrieben werden können. Und zwar nicht nur störungsfrei für das System selbst, sondern auch in Bezug zur Audio- und Video-Technik sowie anderen Gewerken. Das haben die Ton- und Video-Aufzeichnungen der Rundfunkanstalten und Dienstleister gezeigt, die bereits umfangreich im Konzertsaal stattgefunden haben.

ETC Source Four Profilscheinwerfer befinden sich in der Zwischendecke über dem Saal. Glasfenster in den Scheinwerferöffnungen bilden mit der akustischen Decke eine geschlossene Reflektionsfläche.

Florian Schaller

ETC Source Four Profilscheinwerfer befinden sich in der Zwischendecke über dem Saal. Glasfenster in den Scheinwerferöffnungen bilden mit der akustischen Decke eine geschlossene Reflektionsfläche.

Sonderlichtlösungen nach Architektenwunsch
ASC hat in Zusammenarbeit mit dem Hersteller GDS zahlreiche nach Architektenwunsch designte Sonderkonstruktionen integriert. Diese Leuchten sind sowohl in die Rangkonstruktion integriert als auch in die akustische Decke. Die Leuchten in der akustischen Decke sind über den Gitterrost der technischen Ebene erreichbar und sind auf diese Art und Weise leicht zugänglich und zu warten. 79 Profilscheinwerfer aus der ETC Source Four Produktfamilie kommen als LED-Deckenbeleuchtung innerhalb der Rangellipse zum Einsatz und beleuchten die Bühnenfläche in der geforderten Helligkeit von min. 1000 Lux. Glasfenster in den Scheinwerferöffnungen bilden mit der akustischen Decke eine geschlossene Reflektionsfläche für die Akustik. Die Source Four LED Scheinwerfer können in einem Winkel von 25° bis 50° aus der Decke heraus leuchten und dienen der Szenischen Beleuchtung für warmes Weißlicht. Sie zeichnen sich laut Hersteller durch klare Lichtfelder sowie hohe Flexibilität und Langlebigkeit aus. Auf diese Weise können die Protagonisten auf der Bühne direkt und schattenfrei ausgeleuchtet werden.

Im äußeren Kreis über der Bühne hat ASC für das Architekturlicht die GDS Leuchten integriert, ebenso unter dem Rang sowie in den Gängen, an den Türen und an den Stufen. GDS hat in Abstimmung mit den Architekten und dem Fachplaner für diesen Zweck ein breites Potpourri an Leuchten-Sonderbauten mit eigens entwickelten Beleuchtungskörpern kreiert. Die Sicherheitsbeleuchtung ist in jeder dritten Leuchte integriert. Das von ASC installierte adunas System steuert das Saallicht und erlaubt speziell für die Szenische Beleuchtung eine komplette Anlagenprogrammierung: Szenen können erstellt, als Szenenautomation abgelegt und gezielt über Schnittstellen abgerufen werden. Daneben werden Hausfunktionen, wie das Herunterfahren von Verdunkelungsrollos, ermöglicht – ebenso die Steuerung von Fremdgewerken. Jeder ETC-Scheinwerfer und fast jede GDS-Leuchte ist über das Raumsteuerungssystem einzeln ansteuerbar.

Weitere Themen rumd um das Thema Lichttechnik und Lichtkonzept finden Sie hier in der Print-Ausgabe von KommunikationsRaum. 

 

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