Das Besucherzentrum ESO Supernova bietet ein vielseitiges Nutzungsprofil

Mehr als nur Planetarium…

Das Besucherzentrum „ESO Supernova“ in Garching bei München beherbergt neben einem digitalen Fulldome-Planetarium eine große Ausstellung, Konferenzräume und ein Event-Areal, eingehüllt in ein futuristisches Gebäude, das wie aus einem Science-Fiction-Film auf die Erde gebeamt erscheint.

(Bild: ESO)

Allein das Gebäude ist sehenswert – es gleicht einem engen Doppelsternsystem, bei dem ein Stern Masse von seinem Begleiter abzieht. Astronomisch gesehen explodiert dann der schwerere Stern als hell leuchtende Supernova. So visualisiert das architektonische Konzept den Namen des Besucherzentrums „ESO Supernova“ und soll gleichzeitig das Ziel der Macher andeuten: das Thema
Astronomie bei seinen Besuchern in hellem Licht zu inszenieren.

Betrieben wird die ESO Supernova von der Europäischen Südsternwarte (ESO) – einer Gemeinschafts-Institution der Mitgliedsländer Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, den Niederlanden, Österreich, Polen, Portugal, Spanien, Schweden, der Schweiz, der Tschechischen Republik und dem Gastland Chile, die ihren Sitz ebenfalls in Garching hat. Bei einem Gesamtvolumen von zirka 90 Millionen Euro wurden rund 2 Millionen Euro für die Medientechnik ausgegeben. Entworfen wurde das Gebäude von den Architekten Bernhardt + Partner. Die Medientechnik wurde zum großen Teil von der Firma Media|Tek installiert. Die Ausstellungskonzeption stammt von „Design und mehr“.

Ausstellungskonzept

Das Gebäude beherbergt eine große Ausstellungsfläche, die sich spiralförmig durch das Gebäude windet, sowie einen weitläufigen Bereich, genannt „Welt-Raum“, der tagsüber lichtdurchflutet ist und nachts durch eine Reproduktion des südlichen Sternenhimmels erleuchtet wird. Des Weiteren verfügt das Zentrum über zwei Konferenzräume, eine Dachterrasse, ein Foyer und ein digitales Planetarium.

Der Ausstellungsbereich umfasst rund 2.200 Quadratmeter und ist über drei Etagen verteilt. Dabei wird die Ausstellung auf einer 255 Meter langen, sanft geschwungenen Rampe durchquert. Die Ausstellungsrampe, auf der die Besucher entlanglaufen, windet sich über weite Strecken freischwebend durch den Raum. Anhand von 13 Themen werden den Besuchern Wissenschaft und Technologie hinter der modernen Astronomie erklärt. Außerdem zeigt die Ausstellung welchen Platz die Erde im Universum einnimmt. Die Dauerausstellung trägt den Titel „Das lebendige Universum“ und hat das allgemeine Thema von Leben im Universum als Fokus.

ESO
Der Ausstellungsbereich umfasst rund 2.200 Quadratmeter
und ist über drei Etagen verteilt.
(Bild: ESO)

QR-Code macht Inhalte mobil

Da ein Thema wie die Astronomie naturgemäß nur wenig greifbare Objekte zeigen kann, lebt die Supernova-Ausstellungsehr stark von der umfangreich verbauten Medientechnik. Die Besucher können sich über verschiedene Wege informieren. Unter anderem werden auf fünf VR-Brillen 360°-Videos von großen Teleskopen in der Wüste gezeigt. An 67 interaktiven Stelen, ausgestattet mit Sharp-Displays, können die Besucher ganz individuell ihre Themen vertiefen.

Als Ankerpunkt für jeden der 13 Ausstellungsbereiche gibt es je ein Display mit angeschlossenem QR-Code-Leser. Zusammen mit dem individuellen QR-Code auf jeder Eintrittskarte können so Informationen mobil verfügbar gemacht werden: Wenn man diesen in den QR-Code-Leser an einem der Monitore hält, wird der Inhalt des entsprechenden Displays online auf einer zum QR-Code gehörenden, individuell erzeugten Internetseite gespeichert. Scannt der Besucher dann von unterwegs oder zu Hause mit seinem Mobiltelefon den QR-Code der Eintrittskarte, wird er automatisch auf seine individuelle Seite geleitet, auf der die gewünschten Display-Inhalte aus der Ausstellung gesammelt sind.

Gleich im ersten Ausstellungsthema äußern sich vier Akteure aus der Astronomie auf vier Monitoren zu verschiedenen astronomischen Themen. Die Monitore hängen hier an der gebogenen Wand und sind durch einen tiefen Spalt von der Besucherrampe getrennt. Der Sprecherton ist über sogenannte Soundduschen von Sonus zu hören. Die runden Lautsprechersysteme sind über lange Stahlseile an der hohen Decke befestigt und strahlen den Ton in einem engen Kegel direkt nach unten innerhalb ein auf dem Boden markiertes Areal – außerhalb dieses Areals ist nicht zu hören.

Automatisierung vereinfacht den Betrieb

Um den Betrieb der Ausstellung möglichst einfach für die Mitarbeiter zu gestalten, wird die gesamte Ausstellung im Standardbetrieb timergesteuert vollautomatisch hoch- und heruntergefahren. Dabei lassen sich die Start- und Endzeiten für jeden Wochentag getrennt einstellen. Für Sonderveranstaltungen kann man in einen manuellen Modus umstellen, in dem auch einzelne Bereiche getrennt abgeschaltet werden können. Nach Schließen der Ausstellung geht die Anlage in einen „Putz-Modus“ – hier ist die Ausstellung grundsätzlich abgeschaltet. Jedoch erkennen in die Decke eingelassene Bewegungsmelder, wo sich jemand aufhält, und schalten das Licht in diesem Bereich ein. Zur Überwachung der Ausstellungsfunktionen werden sämtliche angeschlossenen Geräte über ein Display am Empfang, über ein Touchdisplay in der Technikzentrale und zusätzlich über ein browserbasiertes Online-Interface visualisiert. Sollte ein überwachtes Gerät ausfallen, erzeugt
das Gebäudemanagement-System eine automatische Benachrichtigung.

Planetarium & Event-Arenal

Das digitale Fulldome-Planetarium ist für viele Gäste der Hauptgrund für einen Supernova-Besuch. Mit 14 Metern Durchmesser und 25 Grad Neigung besitzt es die größte geneigte Planetariumskuppel im DACH-Raum. Das Bild wird aus Einzelbildern von acht Projektoren zusammengerechnet, die sich rund um den Rand der Projektionskuppel befinden. Auf seiner Webseite stellt die ESO eine Vielzahl von Fulldome-Projektionen und vieler anderer Medien zum freien Download zur Verfügung.

ESO/Radovan Bartek
Das digitale Fulldome-Planetarium bietet mit 14 Metern Durchmesser und 25 Grad Neigung die größte geneigte Planetariumskuppel im DACH-Raum. (Bild: ESO/Radovan Bartek)

Architektonisch betrachtet bildet das Planetarium das Zentrum des einen Sterns der im Gebäude symbolisierten Supernova. Das Zentrum des zweiten Sterns ist der sogenannte Welt-Raum. Dieser 15,5 Meter hohe und über 140 Quadratmeter große Komplex fungiert als großes Event-Areal, Ausstellungsfläche für Sonderausstellungen und Treffpunkt für Führungen durch das Besucherzentrum. Das Besondere des über drei Etagen offenen Raums ist seine Glasdecke, in der LED-Stripes und LED-Spots verbaut sind. Diese sind so angeordnet, dass mit ihnen 21 Sternbilder der südlichen Hemisphäre angezeigt werden können. Dabei sind sämtliche Leuchten in drei Helligkeitsklassen eingeteilt – analog der Sternen-Helligkeit. Über Touchpanel mit Passwort geschützter Bedienung können die Sternbilder in einem manuellen Modus an- und abgeschaltet werden. Im Normalbetrieb läuft das System in einem Automatikmodus, der alle Sternbilder nacheinander einzeln darstellt. Damit der Welt-Raum möglichst clean erscheint, wurden zur Beschallung zwölf Unterputz-Lautsprecher „unsichtbar“ verbaut. Dabei sitzen vier Lautsprecher je Stockwerk in den runden Wänden.

ESO/Radovan Bartek
Die LED-Stripes und -Spots in der Glasdecke im „Welt-Raum“ sind so angeordnet, dass mit ihnen 21 Sternbilder der südlichen Hemisphäre angezeigt werden können. (Bild: Radovan Bartek)

Ganzheitliche Information im Seminarbereich

Das gesamte Besucherzentrum ist darauf ausgerichtet, auch größere Gruppen wie Schulklassen oder Seminarteilnehmer ganzheitlich zu informieren. Hierfür ist neben der Ausstellung noch ein Seminarbereich angeschlossen, der flexibel aufteilbar ist. Ein großer Seminarraum bietet Platz für bis zu 120 Teilnehmer und lässt sich bei Bedarf in zwei kleinere Seminarräume teilen.

Für Teilnehmer mit Hörgeräten ist im Raum eine induktive Höranlage (Schwerhörigenschleife) im Boden verlegt und mit dem Verstärker verbunden worden. Mit der Schwerhörigenschleife
werden die Tonsignale der Seminarraumbeschallung in elektrische Signale umgewandelt, die das Hörgerät sauber empfangen kann. So kommen am Hörgerät nur die relevanten Schallanteile des Sprechers an. Nebengeräusche wie Gespräche im Raum werden effektiv herausgefiltert und die Sprachverständlichkeit für Hörgeräteträger steigt.

Vernetzte Beschallung sorgt für Flexibilität

Für die Beschallung in der Supernova kommt ein sogenanntes „Audio over Ethernet“-System zum Einsatz, das neben dem Welt-Raum noch Planetarium, Ausstellung, Foyer, Seminarräume und die Bürobereiche mit Ton versorgt. Damit können nicht nur die unterschiedlichen Bereiche des Besucherzentrums unkompliziert individuell beschallt werden. Vor allem bei Sonderveranstaltungen ist man sehr flexibel, was die musikalische Beschallung oder auch die Mikrofonierung von Sprechern im gesamten Areal anbelangt.

Für Alarmierungen und Durchsagen gibt es je eine Sprechstelle an der Theke im Foyer und in der Brandmeldeanlage. Außerdem gibt es zwei mobile Einspeisepunkte, die auch für Durchsagen verwendet werden können. Dabei können die Durchsagen dezidiert für die einzelnen Audio-Zonen gemacht werden. Die Zonen-Auswahl erfolgt über das Gebäudemanagement-System, das mit der Mediensteuerung verknüpft ist. Neben der persönlichen Durchsage sind je acht deutsch- und englischsprachige Ansagen im System gespeichert, die auch bei Bedarf von den Nutzern verändert werden können.//

ESO
Die Nutzungsbereiche der _ESO Supernova im Überblick

 


TecSpecs
// Stelendisplays (interaktiv): 67 Sharp-Displays (20″), Typ LL-S201A
// Ankerpunkte: 13 Samsung-Displays (49″) mit QR-Code-Leser
// AV-Signalmanagment, Mediensteuerung: Crestron
// Gebäudemanagment-System: GEMOS-System von ela soft
// Beschallung: Soundduschen Ausstellungsbereich: Sonus Audiofocus Q Active, weitere Lautsprecher von Amina (Unterputz-Lautsprecher), Bose und ic Audio
// Sprachalarmierungssystem: Gräf&Meyer Exentro
// Digitale Audiovernetzung (Audio over Ethernet System): Dante-System von Audinate

Weblinks der beteiligten Unternehmen (Auszug)

// Betreiber: Europäischen Südsternwarte (ESO), Garching
// Architekten: Bernhardt + Partner, Darmstadt
// Ausstellungskonzept: Design und mehr, Stockach-Espasingen
// Medientechnik (mehrheitlich): MEDIA|tek GmbH, Bodenkirchen

 

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