Projektionsanstrich als Alternative zur Leinwand

Tipps zur Wandprojektion als Gestaltungselement im Raum

Wenn es um die Raumgestaltung geht, ziehen viele Architekten und Innenarchitekten die Projektion einem Display vor – möglichst ohne Leinwand und direkt auf die Wand, was nicht immer unproblematisch ist. Hier erfahren Sie Grundsätzliches zu den Möglichkeiten, auf “blanke” Wände zu projizieren.

Jede Projektion steht und fällt mit der Fläche, auf die der Beamer projiziert. Leinwände werden nicht immer als schön oder praktikabel empfunden, weswegen immer wieder die Frage auftaucht, ob man nicht einfach auf die Wand projizieren kann. Grundsätzlich ist diese Frage mit einem Ja zu beantworten. Aber wie verhält sich eine mit Wandfarbe gestrichene weiße Wand in Bezug auf die Wiedergabequalität eines Bildes? Eine Wandfläche ist im Allgemeinen nicht gleichmäßig strukturiert und weist somit unterschiedliche Helligkeits- und Schärfebereiche auf. Eine Standardwand mit weißer Wandfarbe eignet sich daher nicht als professionelle Präsentationsfläche.

Doch welchen Nutzen bringen spezielle Projektionsanstriche, die diverse Hersteller anbieten? Hier entscheiden die Art der Anwendung und der Anspruch an die Projektionsfläche: Vor der Entscheidung für eine Lösung mit Projektionsfarbe muss definiert sein, welche Inhalte (Film oder Standbilder) mit welcher Auflösung projiziert werden sollen. Geklärt werden muss außerdem, wie der Zuschauerbereich aufgebaut ist (Betrachtungswinkel vertikal und horizontal), wie viel Störlicht auf die Projektionsfläche einfallen darf und welcher Beamer (Projektionstechnologie, Lichtleistung etc.) zum Einsatz kommen soll. Dann sollte festgelegt werden, welchen Anspruch die Projektionsfläche erfüllen muss und ob die gewünschte Qualität nachweislich erreicht werden soll. Das sind die Minimalkriterien, die zu einer Entscheidungsfindung herangezogen werden sollten.

Oberflächenbehandlung ist Pflicht
Ist die Entscheidung für einen Wandanstrich mit Projektionsfarbe gefallen, sind die vorbereitenden Maßnahmen Voraussetzung für ein gutes Ergebnis: Der Untergrund, d. h. die zu beschichtende Wandfläche muss plan und frei von Unebenheiten, Wellen und Strukturen vorbereitet sein. Bei Gipskartonwänden kann als Anforderung an die Oberflächenqualität eine Qualitätsstufe angegeben werden. Für die Nutzung als Projektionsfläche sollte die Wand mit der Qualitätsstufe 4 hergestellt sein und die erhöhten Anforderungen nach Zeile 7 der DIN 18 202 eingehalten werden. Dann muss der Anstrich gemäß den jeweiligen Herstellerangaben erfolgen. Hier ist auch auf eine gleichmäßige und strukturfreie Verarbeitung zu achten.

Wann eignet sich ein Projektionsanstrich? 
Bei der Argumentation pro oder contra wird an erster Stelle oft der Kostenvorteil gegenüber einer Projektionsfläche aus Leinwandtuch aufgeführt. Dabei sollte man nicht nur die Kosten für Projektionsfarbe und Verarbeitung berücksichtigen, sondern auch die notwendigen Vorarbeiten. Ein weiterer Vorteil besteht in der Variabilität, um z. B. Wandflächen zu nutzen, die keine mechanischen Eingriffe zulassen (Denkmalschutz, architektonische Gründe, technische Gründe wie Wandheizung etc.), oder um Projektionsflächen zu gestalten, die z. B. für künstlerische Zwecke bewusst uneben gehalten sind, im Bereich der Heimkinoapplikationen und dort, wo der Betrachtungsabstand z. B. keine perforierten Leinwände zulässt.

Autor: Detlef Hartmann (Auszug) 

Wer sich detailliert mit den Grundlagen und der Physik von Aufprojektionsflächen beschäftigen möchte, findet hier ein kostenloses eDossier zum Downloaden. 

 


 

Zum Verständnis: So arbeitet das menschliche Auge

Im ersten Schritt zu den Betrachtungen von Projektionsflächen ist es unerlässlich zu verstehen, wie das menschliche Auge arbeitet. Grundsätzlich ist Sehen mit Licht verbunden; der Mensch kann ohne eine Mindestbeleuchtung nicht sehen. Das von Lichtquellen (Sonne, Leuchten etc.) ausgesandte Licht wird von verschiedensten Materialien (feste Stoffe, Flüssigkeiten, Gasen), mit denen es in Berührung kommt, auf unterschiedlichste Weise beeinflusst. Licht wird reflektiert, absorbiert, gefiltert, gestreut, gebrochen etc. und gelangt durch das Linsensystem des Auges auf die Netzhaut. Genauer: Das Licht gelangt durch die veränderbare Pupillenöffnung auf die mit der Netzhaut ausgekleidete Innenwand des Auges. Die Netzhaut enthält die lichtempfindlichen Rezeptorzellen Stäbchen und Zapfen, die das Licht in Nervenimpulse umsetzen und diese über den Sehnerv an das Sehzentrum leiten. Dieses rekonstruiert aus den auftreffenden Lichtimpulsen ein Abbild der Umwelt. Das Sehen ist ein Zusammenspiel aus verschiedenen Komponenten, dem Licht, der Umwelt, dem Auge und dem Gehirn, also ein informationsverarbeitender Prozess, eine permanente Wechselwirkung zwischen Umwelt und Gehirn.


 

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