Festival Genius Loci Weimar

Weimar lockt im August mit Fassadenprojektionen

Vom 10. bis 12. August 2018 geht zum siebten Mal das Festival Genius Loci Weimar an den Start – eines der international bekanntesten Festivals für audiovisuelle Kunst und Fassadenprojektionen. Das Motto lautet “make walls talk!”.

Wie schon in den Vorjahren werden auch 2018 spektakuläre Fassadeninstallationen erwartet. Genius Loci Weimar
Wie schon in den Vorjahren werden auch 2018 spektakuläre Fassadeninstallationen erwartet.

Fassaden mit qualitativ hochwertig produzierten AV-Installationen neu zum Leben erwecken und unter neuen Blickwinkeln betrachten – das ist das Ziel des Festivals für audiovisuelle Kunst und Fassadenprojektionen, das 2017 mehr als 50.000 Besucher angezogen hat. Der Anspruch: Historische Gebäude mit der sich immer weiter entwickelnden Medientechnik und Videomapping neu definieren und das Zusammenspiel von Geschichte und Architektur für den Besucher erlebbar zu machen. Dafür werden in jedem Jahr neu zu bespielende Bauwerke in der Stadt Weimar für den Wettbewerb und das Festival ausgewählt.

Thema: Medienarchitektur im historischen Kontext

Mit der diesjährigen Auswahl der Gebäude lenkt Genius Loci Weimar den Blick auf zwei Themenbereiche – einerseits auf das klassische Weimar, andererseits zum ersten Mal mit einem modernen Gebäude auf das abstraktere, weiter gefasste Thema der Medienarchitektur im historischen Kontext. Für die künstlerische Auseinandersetzung mit dem klassischen Weimar stehen zwei Gebäude, die sich nicht ganz unabsichtlich in fußläufiger Nähe befinden. Im Goethehaus residierte der ‘Dichterfürst’ fast 50 Jahre und prägte nicht nur die Weimarer Klassik, sondern über seine weitreichenden Korrespondenzen auch den intellektuellen und literarischen Diskurs in ganz Europa. Mit Napoleon marschierte 1806 die Weltgeschichte an dem Anwesen vorbei, ab 1813 setzten regelrechte Pilgerreisen von Intellektuellen aus ganz Europa an der Frauenplan ein, ein Besucherstrom, der bis heute anhält.

Das Haus der Frau von Stein beherbergte Charlotte von Stein, und – kurz, in Jugendjahren – ­Marlene Dietrich. Die Lebensführung dieser zwei prägnanten und weltberühmten Frauen könnte unterschiedlicher nicht sein – und doch stehen sie beide für ein starkes, prägendes Frauenbild, die in ihrer jeweiligen Zeit auf ihre Weise eine starke Wirkung entfaltet haben.

Die Universitätsbibliothek ist das erste moderne Gebäude, das von Genius Loci Weimar bespielt wird. Genius Loci Weimar erweitert hier das Festivalrepertoire um den Themenkomplex der Medienarchitektur. Das Aufführungsformat bleibt im wesentlichen unverändert, eine halbstündige Wiederholung einer auf die Fassade projizierten Videoshow, die Fragestellung ist jedoch eine andere: während die bisherigen Videoperformances sich als eine einmalige Aufführung im Rahmen eines Festivals für Projektionskunst genügen, soll die Projektion auf das Gebäude der Universitätsbibliothek als Simulation einer permanenten Medienarchitekturinstallation entwickelt werden.

Diskurs um Videomapping und Medienarchitektur

Dieses neue Wettbewerbsformat ist als Konzept im Diskurs um Videomapping und Medienarchitektur bei dem Genius Loci Talk 2017 entstanden. Das Format soll Potenziale und Grenzen der Medienarchitektur thematisieren und dabei augenfällige Fragestellungen ergebnisoffen reflektieren: welcher Inhalt, welche Narration ist ein wirklicher Mehrwert – beziehungsweise Bedarf es überhaupt eines kommunikativen Mehrwertes oder genügt eine rein (re-) ästhetisierende Arbeit? Wo liegt der Grenzbereich zwischen Augmentierung und Immision, welche Bildwelten erreichen welche Zielgruppen, wie funktioniert Medienarchitektur im historischen Bestand und wo liegen die funktionalen und ästhetischen Potenziale?

Während die bisherigen Videoperformances sich als eine einmalige Aufführung im Rahmen eines Festivals für Projektionskunst verstehen, soll die Projektion auf das Gebäude der Universitätsbibliothek als Simulation, als Entwurf und Visualisierung einer permanenten Medienarchitekturinstallation dienen. Dieser Wettbewerbsteil richtet sich daher neben Videomappern, Filmern und Motion Designern auch ganz ausdrücklich an Architekten, Städtebauer, Denkmalpfleger, Lichtdesigner, Ausstellungsgestalter, Medienkünstler, Szenographen und Kommunikationsdesigner und Visionäre aller Sparten und Genres.

Denn moderne Medienarchitektur befindet sich derzeit in einem hochaktuellen Spannungsfeld zwischen willkommener Kommunikation und dem Vorwurf der Reizüberflutung einerseits, zwischen architektonischer Reästhetisierung urbaner Räume und Lichtverschmutzung andererseits. Gestalt, Qualität, Funktionalität und Nachhaltigkeit sind Fragen, mit denen sich die Medienarchitektur im Umgang mit Licht als zentrale Gestaltungsrolle beschäftigt. Mit den Techniken des Videomappings soll während dem Festivalwochenende eine permanente Medienarchitekturinstallation simuliert werden.

Ablauf und Programm

Von Freitag, 10. August bis Sonntag, 12. August projizieren zwischen 21.30 Uhr und 24.00 Uhr die internationalen Wettbewerbsgewinner ihre eigens dafür entwickelten Bildgeschichten an den diesjährigen Gebäudefassaden – Goethehaus, Haus der Frau von Stein und dem Naubau der Universitätsbibliothek der Bauhaus-Universität Weimar. Im halbstündigen Takt werden an den drei Spielorten die Videoshows gezeigt. Am Genius Loci LAB, einer audiovisuellen Live-Bühne, zeigen junge internationale Videokünstler ihre vor Ort entwickelten Fassadenprojektionen im Zusammenspiel mit Live-Musik.

Die Spielorte werden durch eine digitale Wegemarkierung vernetzt, diese den Besuchern des Festivals zeigt, wo es lang geht. Entlang der Festivalroute vernetzen Videoinstallationen und Lichtskulpturen internationaler Künstler die großen Leinwände und das LAB mit einander. Mit den zahlreichen Side-Events, wie dem AV-Live-Kino, dem Genius Loci TALK und dem Genius Loci CLUB auf dem e-Werk Gelände entsteht ein internationales kreatives Milieu und dadurch eine besondere Festivalatmosphäre.

Ein Beispiel aus dem vergangenen Jahr zeigt dieses Video:

 

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