Digitalisierung im Bereich von Ausstellungen und Messen

Trends in der Ausstellungsgestaltung

Der aktuelle Trendbericht “Exhibition Design”  des Research Institute for Exhibition and Live-Communication (R.I.F.E.L. e.V.)  widmet ein ganzes Kapitel dem Trendthema Digitalisierung im Bereich der Ausstellungsgestaltung und des Messedesigns. Der Fokus liegt hier zwar auf dem Einfluss digitaler Technologien und moderner Medientechnik bei der Gestaltung von Messeständen, einiges lässt sich aber durchaus auch auf die Ausstellungsgestaltung in Museen und Showrooms übertragen. Eine Zusammenfassung. 

SCHMIDHUBER / Milla & Partner / Nüssli
Digitale Medien werden immer wichtiger für die Gestaltung von Räumen.

Dass sich der Trendbericht so intensiv mit dem Einsatz von Medientechnik befasst, hat seinen Grund – schließlich spielen digitale Technologien im Rahmen der Gesamtkommunikation einer Ausstellung eine zunehmend wichtige Rolle. Denn neue Medien und Technologien erschließen immer mehr Möglichkeiten, um Marken und Produkte zu inszenieren und für Besucher erlebbar zu machen. Die sei insbesondere dann der Fall, wenn es um die Darstellung digitaler Transformationsprozesse ginge, mit denen Unternehmen und Marken die Verschmelzung analoger und digitaler, realer und virtueller Welten kommunizieren und sich Zukunftsthemen stellen wollten.

Neudefinition des Begriffs “Mediatektur”

In diesem Zusammenhang scheint der Begriff “Mediatektur” zurzeit einer Art Neudefintion oder Erweiterung zu unterliegen: Während in den vergangenen Jahren mit den Begiffen Mediatektur und Medienarchitektur meist multimedial bespielte Medienfassaden gemeint waren, soll Mediatektur zukünftig die mediale Inszenierung von Räumen, Formen und Informationen als Überbegriff beschreiben.  Die Mediatektur steht also an der Schnittstelle zwischen Raum und Technologie. Mit ihr entstehen intelligente Möglichkeiten, komplexe Inhalte über den Einsatz unterschiedlicher medialer Technologien darzustellen. Der Einsatz innovativer medialer Technologien ist laut Trendbericht deshalb auch auf Messen und für Ausstellungen beinahe eine Standardanforderung, die über die Ausstellungsgestaltung aufgegriffen und umgesetzt werden müsse. Die Herausforderung bestehe damit vor allem darin, eine sinnvolle Verknüpfung zwischen realer und virtueller Welt zu schaffen.

Virtual Reality und Augmented Reality sind prägend

Tablets, Apps, LED-Videowände, Touch- und Multitouch-Anwendungen für interaktive Tische oder Wände, Hologramme, 3D-Visualisierung und nicht zuletzt Virtual Reality- und Augmented Reality-Anwendungen haben die Welt von Messen und Ausstellungen in den letzten Jahren immer stärker geprägt. Insbesondere virtuelle 3D-Welten beeinflussen die Wahrnehmung der Umgebung und die Interaktion mit der Umwelt in hohem Maße. Es entstehen neue Perspektiven, die für die Betrachter „neue Wirklichkeiten“ entstehen lassen. Die Veränderung der Betrachtungsweise erfordert jedoch auch neue Anforderungen im Hinblick auf die Kommunikationsinhalte, d. h. eine neue Art des Geschichtenerzählens. Und es bedarf eines wohl reflektierten Einsatzes neuer Technologien, die in ein nachhaltiges kommunikatives Gesamtkonzept eingebunden sein müssen. Gute Anwendungsbeispiele lassen sich laut Trendbericht überall dort finden, wo beispielsweise Produkt- und Markenwelten im besonderen Maße durch immersive Erlebnisse erfahrbar gemacht werden.

Als Positiv-Beispiel wird u. a. der Outdoor-Hersteller Merrell genannt, der seine Kunden für den Launch neuer Hiking Boots auf einen spektakulären Trail virtuell in die Dolomiten “verfrachtete”. Dabei standen aber nicht die Hiking-Schuhe im Vordergrund, sondern die eigene Aktivität und die erlebten Emotionen, die sich damit verbanden. Verstärkt wurde das Erleben durch einen realen Parcour, auf dem sich die Besucher bewegten, so dass die Bilder auch physisch nachvollziehbar gemacht wurden. Der Trendbericht geht davon aus, dass im Bereich der Mediatektur in den kommenden Jahren eine stetige inhaltliche und technische Weiterentwicklung zu beobachten sein wird, die neue Anwendungsszenarien ermöglichen. Dabei wird auf die Untersuchung “Digitale Tools bei Markeninszenierungen auf Messen und Events” (D. Ruetz, 2018) hingewiesen, laut der zurzeit etwa 50 digitale Werkzeuge für einen Einsatz auf Messen und Ausstellungen zur Verfügung stünden, deren Einsatzfelder und Wirkungen anwendungsspezifisch erprobt werden müssten.

Trends und Gegentrends

Gleichzeitig sollte man aber beachten: Die Digitalisierung führt auch zu einem Gegentrend. Denn durch die Überflutung mit digitalen Reizen sehnen sich viele Menschen auch danach, ganz banal und “analog” zu fühlen, zu riechen, zu hören, Dinge zu berühren und auszuprobieren. Auch zwischenmenschliche Aufmerksamkeit, persönliche Kommunikation und direkter Austausch gewinnen laut Trendbericht wieder an Bedeutung. Und das bedeutet wiederum, dass der Einsatz digitaler Medien wohl überlegt sein will und Teil eines Gesamtkonzepts sein muss, um Inhalte nachhaltig und sinnvoll vermitteln zu können. Kommunikationsdesignern kommt somit in Zukunft vermehrt auch die Rolle eines Beraters zu.

Zusammenfassung: Claudia Rothkamp 

 

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