Raumwelten Kongress 2017

Szenografie: Die Anarchie der Besucher

Aufgabe der Szenografie ist es, den Weg der Besucher zu leiten. Hier treffen quasi Ordnung und Anarchie aufeinander. Wie es gelingt, diese Gegensätze – mit ganz unterschiedlichen Ansätzen – zu vereinen, war Thema beim Raumwelten Kongress 2017.

Christiane Hütter und ihr Projekt der analogen Follower
Christiane Hütter und ihr Projekt der analogen Follower

Christiane Hütter, Spielemacherin und Psychologin, plädiert dafür, Regeln zu brechen – gerade und auch dort, wo uns Regeln vorgegeben werden: im Spiel. Denn gerade Spiele geben oft einen strikten Rahmen vor. Gleichzeitig werden die Regeln des Alltags ausgeblendet, neue Handlungsoptionen werden ermöglicht. Das sorgt für einen positiven Flow, in dem man sich wohl fühlt, was wiederum dazu führt, dass man den aktuellen Prozess bzw. das aktuelle Spiel noch nicht beenden möchte. Christiane Hütter ist der Meinung, dass Spiele auch die Möglichkeit bieten, Aufmerksamkeit auf Dinge oder Inhalte zu richten, die nicht sofort offensichtlich sind – auch im Bereich der Szenographie. Dabei kann man an Bekanntes anknüpfen und auch Neues durchspielen. Dabei ist es aber insbesondere wichtig, so simpel wie möglich zu denken, wenn man Interaktion designt. Außerdem sollten Spielregeln unmissverständlich sowie an Zeit und Ort begrenzt sein.

Dr. Shrikant B. Sharma visualisiert Besucherströme im Vorfeld
Dr. Shrikant B. Sharma visualisiert Besucherströme im Vorfeld

Dr. Shrikant B. Sharma, Group Director der BuroHappold Engineering, nähert sich dem Thema von der technischen Seite, um Besuchererlebnisse zu kreieren. Sein Ansatz sind Smart Spaces und die große Frage, was ein Gebäude eigentlich zu einem “great Building” macht. Form oder Funktion? Die Antwort: Der Fokus muss mehr auf den Menschen liegen, die das jeweilige Gebäude nutzen. Ein Aspekt, der nach Ansicht von Shrikant B. Sharma viel zu häufig vernachlässigt wird. Insbesondere im Planungsprozess sollten die Wege der Besucher und Nutzer getestet werden, um schon im Vorfeld feststellen zu können, ob das Design eines Gebäudes im Konflikt mit seiner Funktion steht. Dafür gibt es mittlerweile nicht nur Simulationssoftware, sondern auch interaktive Modelle und Lösungen aus dem Bereich Virtual Reality. Dieses Prinzip lässt sich nicht nur generell auf Gebäude, sondern auch auf die Besucherströme von Museen und Ausstellungen anwenden.

Steiner Sarnen in der Schweiz setzt auf Storytelling
Steiner Sarnen in der Schweiz setzt auf Storytelling

Mit dem Ansatz Vermittlungsziele versus Besuchererwartungen beschäftigen sich Mauro Testerini und Otto Jolias Steiner von Steiner Sarnen Schweiz anhand verschiedener Beispiele aus der Praxis. Dabei betrachten sie das Wissen um die Besucherströme und -wege als sehr wichtige Grundlage, die jedoch ohne die Stories, die an dem jeweiligen Besucherziel erzählt werden, gar nichts ist. Insofern steht hier immer das Storytelling im Mittelpunkt. “Wir führen mit Licht und Ton von Raum zu Raum und müssen dabei so spannend sein, dass wir die Leute unterwegs nicht verlieren.” Formatvielfalt und freie Formen werden von den beiden sehr hoch eingeschätzt, ebenso wie getaktete Shows. Dabei konzentriert sich das Storytelling nicht nur auf Inhalte, sondern ebenso auf die Form von Architektur – oder im Extremfall auch Bergbahnen. Kurz: Inszenierung heißt Erzählung schaffen!

 

 

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