Ein Kompendium für alle, die an der Konzeption der räumlichen Umgebungsbedingungen von „Arbeit 4.0“ beteiligt sind.

Buchtipp: Einfach Anders Arbeiten

Das Fachbuch von Detlev Artelt ist nicht nur eine Bestandsaufnahme des Wandels in der Office-Arbeitswelt. Es vermittelt auch die Konsequenzen: Was bedeuten die Veränderungen für die Gestaltung von Büros?

 

Detlef Artelts Kompendium „Einfach Anders Arbeiten“ ist 2015 erschienen und befasst sich aus verschiedenen Blickwinkeln mit dem Wandel in der Office-Arbeitswelt. Neben einer Bestandsaufnahme finden sich in dem Fachbuch auch Vorschläge für Konzepte zum „Anders Arbeiten“. Kernthema ist die Nutzung aller neuen Kommunikationskanäle, die Unified Communication & Collaboration (UCC), also eine vereinheitlichte digitale Kommunikation und Zusammenarbeit, und flexibleres Arbeiten ermöglichen. Dabei richtet sich Artelt vor allem an die Entscheider im Mittelstand bzw. der sogenannten KMUs (Klein- und Mittelstandsunternehmen), die dem „Anders Arbeiten“ noch äußerst abwartend gegenüberstehen oder die Veränderungen in der Arbeitswelt noch nicht wahrgenommen haben.

Der Autor und seine 37 Gast- und Co-Autoren wollen versuchen, dem Leser „die notwendigen Grundlagen über all diese – leider oftmals verwirrende – Technologien auf eine ihm verständliche Art und Weise näher zu bringen und dabei die Bereitschaft zur Veränderung der Kommunikation zu wecken.“ Insofern ist das Buch als Nachschlagewerk auch für alle diejenigen gedacht, die sich mit der Konzeption und Einrichtung der neuen Arbeitswelten befassen.

Inhalte im Überblick

Das Buch gliedert sich in vier Sachkapitel, die neben einer Bestandsaufnahme des Wandels selbst, der Arbeitsorte mit Fokus auf Büros und technologischen Werkzeugen auch eine Vielzahl an Tipps, Trends und Beispielen aus der Praxis enthalten. Im fünften Kapitel finden sich zahlreiche Firmenprofile der erwähnten Unternehmen, deren Steckbriefe nützliche Informationen enthalten. So findet man u. a. Office- und Soundspezialisten, Videokommunikationsanbieter oder Office-Einrichter. Des Weiteren gibt es Informationen zu den Autoren, wichtigen Messen und Kongressen und einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen. Bemerkenswert ist zum einen, dass die Ausführungen über den Wandel in der Arbeitswelt durch zahlreiche Statistiken bzw. Ergebnisse von Umfrage-Untersuchungen etc. untermauert werden. Zum anderen finden sich immer wieder Tipps, Hinweise und Vorschläge, wie man erfolgversprechende Arbeitsbedingungen und -umgebungen schaffen kann.

 

Vom Wandel der Arbeits- und Kommunikationskultur

Im ersten Kapitel kann man sich einen Überblick über die Hintergründe und Entwicklungen hin zu „Arbeit 4.0“ verschaffen, denn Artelt und seine Co-Autoren analysieren den Wandel von Arbeit und Kommunikation im Informationszeitalter aus verschiedenen Blickwinkeln. Im Vordergrund steht dabei die Entwicklung, dass Arbeit eben nicht mehr ortsfest erledigt wird, sondern vermehrt mobil. Das betrifft insbesondere Besprechungen und Teamarbeit. Festgehalten wird eine deutliche Verschiebung der Tätigkeiten vom Dienstleistungsbereich in den Wissens- und Informationsbereich – Artelt beschreibt u. a. die Arbeitssituation und -bedürfnisse der sogenannten Wissensarbeiter mit bereits existierenden flexiblen Arbeitssituationen mit all ihren Erfordernissen und deren potenziellen Risiken. Zur Optimierung der Arbeitssituation skizziert er Maßnahmen, die er in den Folgekapiteln weiter ausführt. Mit den Veränderungen der Arbeit geht der Wandel in der Kommunikation einher, an dessen vorläufigen Ende UCC, mobile Kommunikationsstrukturen, Cloud Computing, VoIP/ Skype und Social Media stehen. Auch juristische Aspekte der neuen Strukturen wie Arbeitsschutz und Datenschutz werden behandelt. Zudem widmet sich ein Autorenteam der Sicherheit in der Kommunikation, der – wie auch den Daten – im Hinblick auf die veränderte mobile Arbeitswelt ein besonderer Schutz zukommen muss.

Blick auf die Orte und Werkzeuge

Kapitel zwei ist dem Arbeitsort gewidmet, denn die klassischen Büros und Konferenzräume sind ebenfalls Änderungen unterzogen. Artelt stellt hier einen Leerstand von Arbeitsplätzen sowie ineffektiv besetzte Konferenzräume fest – ebenso wie den Trend zu effektiveren Meetings in „Teeküchen und Raucher-Spot“ und damit auch zu den „Huddle Spaces“. Denn Offenheit und Transparenz, aber auch Rückzugsmöglichkeiten, sind die Anforderungen an das „Erfolgsbüro“. Dabei sollen wissenschaftliche Untersuchungen von Büro-Nutzertypen zur Unterstützung bei der Wahl des richtigen Bürotyps dienen. Besondere Beachtung sollten insbesondere die Kapitel 2.3, 2.4 und 2.5 finden: Kapitel 2.3 skizziert ausführlich ein „Vorgehensmodell“, mit dem der Bauherr zusammen mit den erforderlichen Dienstleistern, darunter Innenarchitekten und Fachplaner, zukunftsweisende Bürostrukturen für erfolgreiches Arbeiten planen kann. Kapitel 2.4 beschreibt zudem sechs aufeinander aufbauende Inhalts-„Bausteine“, die für die Umsetzung eines erfolgreichen und nachhaltigen Büroprojekts nach Erfahrung des Autors aus seiner Beratungspraxis unumgänglich sind. Dazu zählen auch Licht und Akustik.

Ergänzend dazu beleuchtet Kapitel 2.6 das Thema Ergonomie unter der Prämisse, dass auch die Mitarbeiter-Gesundheit Voraussetzung für erfolgreiches Arbeiten ist. Das dritte Kapitel befasst sich mit den Arbeitswerkzeugen und wirft einen Blick auf die sich verändernden Technologien – an erster Stelle stehen hier das Internet und Telekommunikation, die immer mehr verschmelzen. Neben WLAN als Basis moderner Arbeit werden die Tools für die mobile Kommunikation erörtert. Im Fokus der Umwälzungen steht dabei vor allem Collaboration, das digitale Zusammenarbeiten im Team unabhängig vom Ort und die dafür erforderlichen Technologien wie Chat- und Messaging-Programme, Videotelefonie, aber auch Präsenzanzeige und „traditionelle Videokonferenzsysteme“. Ein wenig zu kurz kommt dabei die Gestaltung von Räumen, die hauptsächlich für Videokonferenzen genutzt werden – Hinweise und Tipps zur sinnvollen Raumgestaltung und Akustik sind auf den Seiten 239 und 240 zu finden.

In Kapitel vier „Tipps, Trends und Beispiele aus der Praxis“ sind schließlich Unternehmen skizziert, die ihren Weg in der neuen Arbeitswelt gefunden haben oder auf dem Weg dahin sind. Die Erfahrungsberichte mit den eingesetzten Software- und Hardwarelösungen können unter Umständen Innenarchitekten oder Bürodesignern im Dialog mit dem Kunden oder in der Vorbereitung eines Projekts von Nutzen sein.

Fazit

„Einfach Anders Arbeiten“ ist vor allem eine umfassende Beschreibung all dessen, was die Veränderungen der Office-Arbeitswelt im Informationszeitalter betrifft. Die betreffenden Technologien werden dabei eingehend und verständlich erläutert. Denn diese Kenntnisse können für Innenarchitekten und Büroplaner von Nutzen sein, da die Umwälzungen in der Office-Welt auch Umgestaltungen der Arbeitsorte mit sich ziehen. Hier zeigt das Fachbuch seine Stärke – denn die Tipps, Fallbeispiele und Konzeptvorschläge sind nicht aus der Luft gegriffen, sondern basieren auf einem starken Fundament aus Erfahrungswerten.

Buchrezension: Helga Rouyer-Lüdecke

 

Verlag: aixvox
ISBN: 978-3981674316
Erscheinungsjahr: 2015
Umfang: 436 Seiten
Einband: Hardcover
Preis: 37,90 €
Format: 19,5 × 24,9 cm

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