Architekturlicht: Neuer Wasserturm in Gasperich

Johannes Roloff (Licht Kunst Licht AG)

Nach zweijähriger Bauzeit wurde der Wasserturm in Gasperich, Luxemburg, im Sommer 2018 seiner Bestimmung übergeben – mit einer Höhe von rund 68,5 m ist der Wasserturm der höchste im ganzen Land. Architektonische Besonderheit des Gebäudes ist dessen Außenhülle – ein kunstvolles Geflecht aus weiß beschichteten Aluminiumbändern, unterstützt durch ein Beleuchtungskonzept von der Licht Kunst Licht AG. 

Der Wasserturm bietet ein Fassungsvermögen von erstaunlichen 1.000 Kubikmetern und lagert das Trinkwasser für die Stadtteile Cloche d’Or, Cessingen und Gasperich. Gelegen am vielbefahrenen Autobahnkreuz von A1, A6 und A3, Knotenpunkt für Reisende aus Luxemburg, Belgien, Frankreich und Deutschland, zeigt der neue Wasserturm eine deutliche visuelle Präsenz gegenüber der umliegenden Bebauung des Industrie- und Gewerbegebietes – bei Tag und in der Nacht. Das von Licht Kunst Licht entwickelte Beleuchtungskonzept unterstreicht diese Präsenz und macht die Struktur und Farbigkeit der äußeren Gebäudehülle weithin sichtbar.

Außerhalb der Stadt Luxemburg gelegen, entsteht der neue Stadtteil Ban de Gasperich, neue Heimat für eine Vielzahl von Gebäuden und Nutzungen. Aufgrund von Erhebungen war erkennbar, dass die Kapazitäten des nahegelegenen Wasserturms „Tubishaff“ in Cessingen für die Wasserversorgung zu gering waren und daher der Bau eines neuen Reservoirs erforderlich war. Aus dem folglich ausgelobten Architekturwettbewerb für einen Turmneubau war 2013 das Architekturbüro Atelier d’Architecture et de Design Jim Clemes S.A. (seit Oktober 2017 Jim Clemens Associates) aus Esch-sur-Alzette hervorgegangen. Der Entwurf umgibt den funktionalen Kern des Wasserturms mit einem dynamisch wirkenden Geflecht aus flachen, weiß beschichteten Aluminiumbändern, das in einem Abstand von etwa 50 cm die Betonwand umgibt.

Die Anstrahlung des Turmes erfolgt aus einer bodennahen Position und belegt die Gebäudehülle mit einem weichen Lichtschleier, der das Objekt in all seinen Facetten und Dimensionen erlebbar macht. Die Lichtfarbe spielt hierbei eine tragende Rolle. Die Assoziation mit Erfrischung durch kühles Wasser war dabei der konzeptionelle Ausgangspunkt der Überlegungen. Da die Farbe Weiß in unserem Kulturkreis Reinheit und Natürlichkeit symbolisiert, entstand die Idee, die gewebte Fassade in der Nacht mit kaltweißem Licht von 6.500 K zu illuminieren. Im Kontext des vorwiegend warmtonigen Umgebungslichts hebt sich der Wasserturm durch den erhöhten Blauanteil im Lichtspektrum in seiner makellosen Frische hervor – mehr durch seine Assoziativfarbe als durch seine vordergründige Helligkeit.

Die für die Außenbeleuchtung verwendeten LED-Scheinwerfer sind mit RGBW-Platinen bestückt. So können mittels einer programmierten Ansteuerung neben der „sinnstiftenden“ weißen Illumination zu bestimmten Uhrzeiten oder besonderen Anlässen monochromatische, farbige Lichtszenen, Farbverläufe oder auch Lichtanimationen erzeugt werden.

Gestaffelt in drei verschiedenen Abstandsbereichen sind 24 LED-Scheinwerfer konzentrisch um den Turm herum angeordnet. Im gebäudenahen Bereich befindet sich der innere Leuchtenring, angeordnet in einem Abstand von etwa 5,50 m um den Umriss des Reservoirs. Hier sind Leuchten mit breitstrahlender Lichtcharakteristik für eine weiche, ansatzlose Betonung des unteren Turmabschnitts vorgesehen. In einer Entfernung von etwa 8,50 m bis 9,50 m sowie zwischen 14,50 m und 19,50 m liegen Strahler mit einer engeren (13°) bzw. sehr engen Lichtverteilung (8°) für die mittleren und oberen Fassadenzonen. Durch diese fein kalibrierte Abstufung entstand nach einer präzisen und stufenlosen Feinausrichtung der Leuchten eine allseitig wirksame, homogene Lichtpräsenz, deren Streulicht in den Luxemburger Himmel so auf ein Maximum von 3 % reduziert werden konnte.

Trotz unterschiedlicher Abstrahlungscharakteristiken handelt es sich um durchgehend baugleiche Außenraumstrahler. Durch ein modulares Wechselsystem aus Vorsatzlinsen werden die erforderlichen Ausstrahlungswinkel generiert, ohne eine Vielzahl von Leuchtentypen mit verschiedenen Wartungsroutinen und Ersatzteilen zu etablieren. Eingesetzt wurden Leuchten vom Typ Philips Color Kinetics.

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