Interview mit Architekt Klemens Herrle

Wenn Medientechnik und Architektur verschmelzen

Im Audi driving experience center (Adec) in Neuburg hat Audi gezeigt, wie mit vorausschauender Planung ein multifunktionales Gebäude entstehen kann, das mit einem konsequent inszenierten Markenauftritt Begeisterung bei den Kunden weckt. Welche Ingredienzen dabei eine wichtige Rolle gespielt haben, erklärt der Architekt des Adec, Klemens Herrle, im Interview:

Die große Monitorwand wird mittels der eigens produzierten Digital Signage Software „Audi Multi Media System Octopus“ in 3D und 4K Auflösung bespielt.

© Audi AG

Die große Monitorwand wird mittels der eigens produzierten Digital Signage Software
„Audi Multi Media System Octopus“ in 3D und 4K Auflösung bespielt.

Herr Herrle, wie unterscheidet sich aus Ihrer Sicht das Adec von anderen Veranstaltungsarealen?
Das Adec ist eine komplette Inszenierung, die die Absicht hat, den Besucher zu begeistern und zu beeindrucken. In vielen anderen Installationen werden Gebäude und Medien getrennt wahrgenommen. Im Adec ist das Gebäude Medium und Kommunikationsraum in einem, Medientechnik und Architektur sind quasi miteinander verschmolzen.

Was haben Sie beim Bau des Adec hinsichtlich des Gewerks Medientechnik an Erfahrungen für zukünftige Projekte mitgenommen?
Eine wichtige Erkenntnis ist sicherlich, dass die Anforderungen der Medientechnik nicht erst nach einem Wettbewerb, sondern bereits vorher nachgefragt und an den Architekten kommuniziert werden. Begannen früher die Planungen für die medientechnischen Installationen erst nach der Fertigstellung des Gebäudes, muss dies in unserem Medienzeitalter bereits parallel zur gestalterischen Konzeption in die Überlegungen und Entwürfe einfließen. Technik braucht Platz, soll aber nicht als solche wahrgenommen werden und muss entsprechend in die komplette Gestaltung integriert werden. Beim Bau des Adec ging es am Anfang des Abstimmungsprozesses vor allem darum, dass Architektur und Medientechnik ein gegenseitiges Verständnis für die Belange des anderen entwickelten. Ein intensiver und kontinuierlicher Austausch ermöglichte eben dieses Verständnis und eröffnete damit eine Sicht- und Herangehensweise, die den Fokus auf die Möglichkeiten statt auf die Problemstellungen rücken lassen konnte. Gerade in einem Gebäude wie dem Adec, das ja unter anderem auch Konferenz- und Schulungsräume unter einem Dach vereint, wurde von den Medienplanern verstärkt das Augenmerk auf die Frage gerichtet, wie ein Mensch heute Technik bedient. Dies und die Berücksichtigung der Anforderungen der Sicherheitstechnik an die Medienplanung stellten eine Herausforderung dar, die wiederum in die Architektur einfloss und so Einfluss auf sämtliche Bauteile, z. B. die Wandgestaltung hatten.

Welche Herausforderungen gab es bei der Abstimmung zwischen Architektur und Medientechnik?
Medienplanung und Architektur lagen zu Beginn noch ziemlich weit auseinander. Zwei Aspekte, die ihren Weg zueinander finden mussten, waren die skulpturelle Betonung des Autos in einem bewusst als Kommunikationsraum angedachten Gebäude architektonisch widerzuspiegeln und die enorme Bedeutung und Auswirkung der Medientechnik auf die Planung. Generell sollte das Gebäude natürlich weithin das Unternehmen Audi repräsentieren. Neben der Architektur und der Medienplanung spielte also die Corporate Identity eine wesentliche Rolle bei der Planung. Wie will sich das Unternehmen der Öffentlichkeit zeigen, welche Werte und Visionen sollen dort transportiert werden? Hinzu kam: Ein Gebäude wie das Adec gab es vorher in dieser Form noch nicht. Das war einerseits natürlich ein Geschenk, denn es konnten die unterschiedlichsten Ideen, Wünsche und Ansprüche in das architektonische Konzept mit aufgenommen werden.

Andererseits waren eben diese Wünsche und Ideen zu Beginn der Planungsphase noch gar nicht komplett definiert und mussten erst zusammengeführt werden – auch in Sachen Medientechnik. Dadurch tauchten während der Planungsphase immer wieder neue Anforderungen auf, die ganze Konzepte auf den Kopf stellten. Sicherheitstechnik, Service- und Wartungskonzepte und schließlich damit verbunden auch die Klimatechnik stellten Forderungen an die Medientechnik, die dann wiederum in die Architektur eingebunden werden sollten. Alle Ansprüche des Bauherrn bezüglich der endgültigen Nutzung sollten so integriert werden, dass sie reibungslos funktionieren können, aber letztendlich nicht als solche sichtbar sind. In der Praxis bedeutete dies intensiven Austausch, ständiges gegenseitiges Hinterfragen und Beantworten aller auftauchenden Unklarheiten und eine absolut offene Kommunikation mit dem grundsätzlichen Verständnis für die Bedürfnisse des Gegenübers.

Beschreiben Sie doch einmal den aus Ihrer Sicht den optimalen Medientechnikplaner/ -installer für Architekten …
Der optimale Medientechnikplaner nimmt mich als Architekten auf seine Ideen-Streifzüge mit. Als Architekt brauche ich die Möglichkeit, mich mit seiner Hilfe mit Medienplanung auseinanderzusetzen, damit diese Dinge für mich begreifbar werden und damit ich die praktische Handhabung gänzlich verstehen kann. Er vermittelt mir, was ein Gebäude aus seiner Sicht können muss.

Der Medienplaner spielt mit Trendexperimenten, mit den Sehnsüchten und Wünschen der Menschen, die immer mehr von einer virtuellen Realität umgeben sind. Er fragt: „Was könnte sein …?“. Diese Dinge finden sich irgendwann in der Medientechnik wieder. Da der Medienplaner kein Techniker im klassischen Sinne ist, sondern die Technik für ihn das Hilfsmittel ist, Dinge zu transportieren, unterstützt er mich dabei, auch die Aspekte, die hinter der Medienplanung liegen bzw. sie beeinflussen, zu erkennen, um sie wiederum in meine architektonische Planungsarbeiten einfließen lassen zu können.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Markus Tischner

Neugierig auf’s Adec?
Hier gibt es detaillierte Infos zu den audiovisuellen und medientechnischen Installationen. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.