Überdimensionale Deckenprojektion im Berliner Einkaufszentrum „das Schloss“

Shoppingerlebnis zum Eintauchen

Wenn sich eine 1.200 m² große, um Ecken verlaufende Deckenfläche in eine durchgehende Projektionsfläche verwandelt, dann ist das schon etwas Besonderes – noch dazu, wenn Winkel und Unebenheiten ins Spiel kommen. Mit dem neu überarbeiteten Panoramahimmel will das Einkaufszentrum „das Schloss“ in Berlin-Steglitz seiner außergewöhnlichen Architektur noch mehr Strahlkraft und Einzigartigkeit verleihen.

49 Einzelbilder setzen sich zu einer riesigen Deckenprojektion zusammen.

"das Schloss"

49 Einzelbilder setzen sich zu einer riesigen Deckenprojektion zusammen.

Messing, Marmor, Granit, Stuck und hochherrschaftlich anmutende Fahrstühle – das Einkaufszentrum „das Schloss“ unterscheidet sich insbesondere mit seinem Interieur von anderen Malls. Hinzu kommt eine historisierende Fassade, die eine Brücke zum benachbarten neugotischen Rathaus schlagen soll. Die an das späte 19. Jahrhundert angelehnte Retro-Architektur des aus dem Jahr 2006 stammenden Neubaus an der Ecke Schlossstraße/Grunewaldstraße in Berlin-Steglitz stammt vom Berliner Architekten Manfred Pechtold, der hier den Wunsch der Bauherren nach einem Einkaufszentrum mit Alleinstellungsmerkmal und 36.000 Quadratmetern Verkaufsfläche umgesetzt hat. „Schon damals gab es ja den Trend zu immer mehr Shoppingcentern in Berlin und man hat ständig nach Möglichkeiten gesucht, um sich abzugrenzen“, erinnert sich Oliver Mohr, Centermanager von „das Schloss“ Steglitz, das zur Wealth Management Capital Holding gehört.

„Deshalb war für Wealth Cap als Bauherr auch von vornherein klar, dass hier etwas Besonderes entstehen musste.“ Und sozusagen als Krönchen der mondänen Innenarchitektur verwandelt sich die gesamte Deckenfläche der Mall auf Wunsch in eine riesige, zusammenhängende Projektionsfläche. „Letztlich hat man hier sozusagen ein ganzheitliches ‚Kunstprojekt‘ geschaffen – auch wenn die Deckenprojektion in den ersten Jahren noch nicht die Strahlkraft hatte, die man sich eigentlich vorgestellt hatte“, meint Oliver Mohr. „Das war 2006 technisch einfach noch nicht so realisierbar, zumal die Projektierung schon einige Jahre zuvor begonnen hatte.“ Pünktlich zum 10. Geburtstag des Einkaufszentrums im März 2016 ist aber eine technisch völlig neue und deutlich verbesserte Version des Panoramahimmels an den Start gegangen, die den Besuchern sozusagen ein Unterwasser-Shopping-Erlebnis bietet.

Den Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde als größte zusammenhängende Projektionsfläche der Welt hat die 1.200 m² große Deckenprojektion zwar nicht geschafft, dennoch ist sie in Größe und Umfang einzigartig. Denn um gegen das helle Tageslicht anzukommen sind nun insgesamt 78 Barco F32 Videoprojektoren im Einsatz, die von 15 Vioso Medienservern angesteuert werden und Korallenriffe, Fischschwärme, Taucher und auch Meerjungfrauen an die Decke projizieren. Die Gesamtauflösung beträgt etwa 14.000 mal 14.000 Pixel (Bildpunkte), die in einer gekrümmten L-Form angeordnet sind. Trotz dieses geballten Beamer-Einsatzes ist aber für die Besucher der Mall dennoch kein Projektor zu sehen. Sie verstecken sich in Nachbildungen von Straßenlaternen, die der Anmutung her aus dem 19. Jahrhundert stammen könnten. „Tatsächlich war das ursprünglich eine Idee des Architekten“, erzählt Oliver Mohr. „Allerdings hatte er diese offen, also ohne Scheiben geplant, so dass die Projektoren in der ersten Zeit sichtbar waren. Später, erst in der Nutzungsphase, haben die Betreiber dann Plexiglasscheiben einfügen lassen, um die Beamer komplett aus dem Sichtfeld verschwinden zu lassen.“

Die Projektoren verstecken sich in den "Lampenschirmen".

Claudia Rothkamp

Die Projektoren verstecken sich in den “Lampenschirmen”.

Eine nachträgliche Änderung, die aus technischer Sicht durchaus ihre Tücken hat, weiß Silke Schirmer, Geschäftsführerin der F1 Gesellschaft für Informationstechnologien und Managementberatung, die für die Installation der neuen Technikkomponenten sowie für die Kalibrierung, das Projektionsmapping und das Content-Playback zuständig war: „Da die Lampen nun nach allen Seiten und nach unten geschlossen sind und die Projektoren vertikal darin verbaut sind, kann die Wärmeabstrahlung der Projektoren nur nach oben entweichen. Die meisten Beamer halten das nicht lange aus.“ Entsprechend aufwändig und intensiv war die Suche nach geeigneten Geräten, die sich zunächst im Dauertest bewähren mussten.

Gesamtbild aus 49 Bildern

Eine der größten Herausforderungen bestand für Silke Schirmer darin, ein einzelnes, übergangsloses Bild ohne sichtbare Überlappungen zu erhalten. Denn das Gesamtbild setzt sich aus 49 Einzelbildern zusammen. Das bedeutet, dass im Prinzip jeder Projektor ein eigenes Bild an die Decke wirft – in manchen Fällen sind auch zwei Projektoren gleichzeitig in Doppelbespielung für ein Einzelbild zuständig. Für die Verschmelzung der 49 Einzelbilder kommt die automatische Kalibrierungssoftware Wings Vioso zum Einsatz. Dabei werden Kameras dazu verwendet, um sogenannte Warping- und Blendingeinstellungen für die Decke automatisch zu ermitteln. Aber nicht nur die Projektoren wurden im Zuge des technischen Updates ausgetauscht, sondern auch sämtliche Medienserver, von denen es im alten System einen je Projektor gab. „Nun bespielt jeder Medienserver gleich vier Projektoren, was nicht nur Strom spart, sondern auch Platz“, erklärt Silvio Höhle, der als Servicetechniker von F1 das System betreut. „Außerdem sind sie weniger störanfällig, bieten über eine übersichtliche Weboberfläche eine bessere Bedienbarkeit und das System ist wesentlich schneller betriebsbereit als früher. Jetzt muss man über die Haustechnik lediglich den Strom zuschalten und schon nach fünf bis maximal zehn Minuten kann die Show losgehen. Zuvor dauerte der Startprozess etwa 45 bis 50 Minuten.“

Lediglich die am "Eiffelturm" zwischen den Rolltreppen installierten Projektoren sind für jedermann sichtbar.

"das Schloss"

Lediglich die am “Eiffelturm” zwischen den Rolltreppen installierten Projektoren sind für jedermann sichtbar.

Einkaufen „unter Wasser”

Apropos Show: Die besteht nun aus einer faszinierenden Unterwasserwelt, die von dem Künstlerkollektiv Werft 6 aus Düsseldorf entwickelt wurde. Die Animationen für die komplett digital erstellte Unterwasserwelt sind mit Motion Capture Aufnahmen von richtigen Tauchern zum Leben erweckt worden und auch die Meerestiere und der Meeresgrund wirken fast natürlich. Für Oliver Mohr ein wichtiger Schritt, um die Möglichkeiten des Panoramahimmels zukünftig stärker als Alleinstellungsmerkmal zu nutzen: „Früher haben wir den Content ein wenig stiefmütterlich behandelt, da steckten wir sozusagen in einer Sackgasse. Das hat sich nun geändert. Die Unterwasserwelt läuft derzeit zwar nur freitags, samstags und an verkaufsoffenen Sonntagen, damit der Abnutzungseffekt bei den Besuchern nicht zu hoch wird. Zukünftig wollen wir die Projektion aber auch viel stärker aktions-und eventbezogen mit einsetzen.“

Eine Halloween-Projektion sorgte im Oktober 2016 für saisonale Einkaufsstimmung.

"das Schloss"

Eine Halloween-Projektion sorgte im Oktober 2016 für saisonale Einkaufsstimmung.

Erste Schritte in diese Richtung sind 2016 bereits erfolgt, beispielsweise mit einem Special zur Fußball EM und einer Halloweenprojektion, die dann von Mitte bis Ende Oktober an sämtlichen Verkaufstagen im Einkaufszentrum zu sehen war. Im Winter schloss sich eine Weihnachtsanimation an und für 2017 sind weitere fünf Themen in Planung. Zum Valentinstag und zum Muttertag sind z. B. Specials angedacht, bei denen die Besucher der Mall interaktiv einbezogen werden, indem sie Grüße an ihre Lieben über die Projektion posten können. Der schnelle und unkomplizierte Wechsel zwischen zwei Shows wird übrigens ebenfalls durch die neuen Technikkomponenten ermöglicht. „Ganz wichtig ist uns dabei aber, dass der Panoramahimmel nicht zur Marketing- oder Werbeplattform für einzelne Produkte oder Geschäfte wird. Vielmehr schwebt uns eine Art Story-driven Marketing vor. Der Panoramahimmel soll vor allem eine besondere Atmosphäre und einen Erlebnischarakter schaffen, der die Menschen anzieht und verzaubert.“

Autor: Claudia Rothkamp

 

> Mehr über die Digitalisierung im Retail-Bereich erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe KommunikationsRaum.! 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.