Retail Digital Tour Berlin: Instore-Digitalisierung weiter gedacht

Kaum ein Shop, Store oder Ladenlokal, in dem die potenziellen Kunden nicht auf Displays oder andere Medientechnik treffen. Dabei ist es längst nicht mehr ausreichend, einfach nur ein Display an die Wand zu hängen und schöne Bilder oder Werbung zu zeigen. Auf die dahinter stehenden Konzepte kommt es an. KommunikationsRaum. hat Anfang Juni die Branchenexperten von The Retail Academy auf ihrer Tour durch Berlin begleitet. Im Fokus standen digitale Trends im Einzelhandel, die in verschiedenen Berliner Stores ganz unterschiedlich umgesetzt wurden.    

iPad Anbindung im Lagerfeld Store

Claudia Rothkamp

Die tägliche Handhabung und Anbindung der iPads könnte technisch besser gelöst werden. © Claudia Rothkamp

Karl Lagerfeld-Store
Wie man die Instore-Digitalisierung auf weniger aufwändige Weise betreiben kann, zeigt der 2014 eröffnete Karl Lagerfeld-Store in der Mall of Berlin am Leipziger Platz. Hier hält sich die Technik stark im Hintergrund, verfolgt aber durchaus ein pfiffiges Konzept: Zum einen sind an einzelnen Regalen bzw. Kleiderstangen iPad-Minis angebracht, auf denen die dort angebotenen Kleidungsstücke der Kollektion auf dem Catwalk zu sehen sind. Auf diese Weise können sich die potenziellen Käuferinnen und Käufer schon einmal ansehen, wie das gewünschte Teil gut mit anderen zu kombinieren ist. Die einzelnen Kleidungsstücke werden also in einen Kontext gebracht und es wird ein Style gezeigt. Darüber hinaus hängen im Lagerfeld-Store iPads auch in den Umkleiden. Mit diesen kann man sich direkt im Lagerfeld-Outfit ablichten, Instagram-ähnliche Filter anwenden und diese Bilder in den sozialen Netzwerken teilen, um vielleicht sogar eine schnelle Kaufempfehlung von Freunden zu erhalten.

Digitale Wiederverwertung von Kleidung

Claudia Rothkamp

Die Kleidungsstücke der aktuellen Kollektion werden digital mit anderen in einen Kontext gesetzt. ©Claudia Rothkamp

Und auch an dritter Stelle kommt ein iPad zum Einsatz – und zwar in einen Spiegel integriert im Verkaufsbereich. Es soll vor allem der Kommunikation und Information dienen. Beispielsweise können sich die Kunden hier in das digitale Gästebuch eintragen und einen Eindruck von ihrem Einkaufserlebnis hinterlassen, abchecken, was gerade in den anderen Karl Lagerfeld-Stores passiert oder über die App Karl´s Book, die auf den Instore-iPads installiert ist, Skizzen von Kollektionen oder Produktionsvideos ansehen und gleichzeitig in Dialog mit Karl Lagerfeld und seinem Team treten.

Der Einsatz von iPads im professionellen Bereich mag bei vielen Profis aus der Medientechnik- und AV-Branche allerdings Stirnrunzeln hervorrufen und auch die Handhabung der iPads, die nur per WLAN angebunden sind, im Akkubetrieb laufen und jeden Abend zum Aufladen per Saugknopf aus dem Spiegel gesaugt werden müssen, ist aus technischer Sicht alles andere als ideal. Gleichzeitig unterstützen sie aber das extravagante Image Karl Lagerfelds, der dafür bekannt ist, mit mehreren iPhones, iPads und iPods ausgestattet zu sein. Selbst Skizzen und Entwürfe soll der Designer auf seinem iPad kreieren, sodass er sie direkt zur Bearbeitung an sein Büro weiterleiten kann. So gesehen stimmt das Konzept.

iPad Anbindung im Lagerfeld Store

Claudia Rothkamp

Die tägliche Handhabung und Anbindung der iPads könnte technisch besser gelöst werden. © Claudia Rothkamp

Nike Flagship-Store
Auch der Sportartikelhersteller Nike will die Kaufentscheidung rund um den PoS durch digitalen Content unterstützen. Im 2014 eröffneten Berliner Flagship-Store im Europa Center wird dies auf verschiedene Weise umgesetzt. Klassische Werbung und Kampagnen laufen beispielsweise über die große LED-Video-Wand im Schaufenster des oberen Stockwerks. Wirklich sichtbar sind diese allerdings nur im Dunkeln oder bei schlechtem Wetter, denn zum einen wurde die LED-Wand hinter der Schaufensterscheibe verbaut, sodass nicht nur die Spiegelungen des Displays, sondern auch die der Scheiben die Sicht behindern. Zum anderen wurde anscheinend nicht auf lichtstarke Displays gesetzt, die für diesen Einsatzort und Zweck die bessere Wahl gewesen wären.

Im Inneren des Stores erwarten die Kunden dann aber digitale Contents, die durchaus einen Mehrwert zu bieten haben. So werden z. B. einzelne Verkaufstische durch Stationen mit Touchdisplays ergänzt, über die Informationen zu den jeweils verwendeten Textil- oder Synthetik-Fasern abgerufen werden können. Darüber hinaus wurde eine interaktive Touch-Anwendung installiert, die Kunden standortbasiert und in Echtzeit passende Informationen aus Online-Communities liefern soll. Das 75“-Display bietet Kunden vor Ort zum Beispiel Informationen über Laufstrecken in der Nähe des Stores oder Input zu lokalen Sportveranstaltungen sowie „User Stories“ aus verschiedenen sozialen Netzwerken. Die Installation ermöglicht aber auch Zugang zu aktuellen Trends, Kollektionen und standortspezifischen News.

Hintergrundinformationen über Digital Signage Systeme

Claudia Rothkamp

Zusätzliche Hintergrundinformationen bieten den Käufern einen Mehrwert und entlasten das Personal. © Claudia Rothkamp

Ein Beispiel dafür, wie bestehende Online-Services im stationären Handel noch einmal aufgewertet werden können, liefert der Sportartikelhersteller mit der Station „Customize with NIKEiD“. Sie basiert auf der gleichnamigen Online-Plattform, welche die Möglichkeit bietet, Nike-Schuhe oder andere Produkte individuell zu gestalten und zu personalisieren. Die Station im Shop bietet aber zusätzlich den Mehrwert, die aktuellen Modelle vor der Kaufentscheidung vor Ort anprobieren und testen und außerdem Farbe und Material anhand von Textil- und Farbmustern besser beurteilen und auswählen zu können. Zudem beraten die Mitarbeiter vor Ort bei der Wahl und Kombination der passenden Materialien.

Individualisierte Produkte im Digital Retail Store

Claudia Rothkamp

Individualisierte Produkte sind im Trend. © Claudia Rothkamp

 

Teil 1 der Reihe “Retail Digital Tour Berlin” gibt es hier! Zu Teil 3 bitte hier entlang. 

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