Retail Digital Tour Berlin: Digitale Alltagshelfer und zukunftsweisende Module

„Stecker rein, die Fläche blinkt!“: Unter diesem Motto führte am 3. Juni 2016 die Retail Digital Tour Berlin durch die Hauptstadt an der Spree. Veranstaltet wurde sie von „The Retail Academy“, einer unabhängigen Kölner Institution, die sich den Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer für den Handel von morgen auf die Fahnen geschrieben hat. Die Zielgruppe: Strategen, Designer und Verkaufsexperten aus dem Handel – also alle Fachexperten, die mit ihrer Arbeit die Rahmenbedingungen auf der Fläche schaffen und sich entsprechend mit den Möglichkeiten moderner Technologien und deren Einsatzmöglichkeiten beschäftigen müssen.

Touch-Videowall

Claudia Rothkamp

Die Touch-Videowall verfügt über zahlreiche interaktive Funktionen. © Claudia Rothkamp

Dies ist der 3. Teil der Reihe zur Retail Digital Tour Berlin: Hier geht es zu Teil 1 der Reihe, zu Teil 2 bitte hier entlang!

Dabei setzt „The Retail Academy“ nicht auf trockene Wissensvermittlung in Seminarräumen, sondern nutzt einzelne Shops vor Ort, um die aktuellen Entwicklungen und konzeptionellen Ansätze zu veranschaulichen. Ob klein oder groß, mit einfachen Mitteln oder technisch anspruchsvoll. Dabei steht natürlich immer die Frage im Hintergrund, welchen Zweck die eingesetzte Technik erfüllen soll und welchen Mehrwert sie Kunden und/oder Mitarbeitern bieten kann.

11teamsports
Ebenfalls 2014 – kurz vor dem Start der Fußball WM in Brasilien – eröffnete der Fußball-Online-Händler 11teamsports einen Flagship-Store im Stadtteil Charlottenburg. Auf einer Ladenfläche von 1400 Quadratmetern nun auch stationär Fußballschuhe, Limited Edition Sneaker, Teamsport- oder Fan-Artikel aus der Welt des „runden Leders“ an. Und in Sachen Digitalisierung und Multichannel ist Nike auch hier groß vertreten. Am so genannten Replica Kiosk haben Fußballbegeisterte beispielsweise die Möglichkeit, per Touch durch die Nike Team-Palette zu navigieren und sich das gewünschte Produkt auszusuchen. Das angebundene Warenwirtschaftssystem zeigt ihnen auch direkt an, ob das Wunschtrikot in der passenden Größe im Shop vor Ort oder online verfügbar ist und lässt sich entsprechend direkt bestellen oder an die Kasse schicken. Ermöglicht wird dies durch eine eigens entwickelte Middleware, die sämtliche Module miteinander verknüpft, sodass sie ohne zusätzlichen Pflegeaufwand in Echtzeit an die bestehenden Kanäle des Retailers angebunden werden.

Replica Kiosk

Claudia Rothkamp

Am Replica Kiosk können sich Fußballfans ihre Wunschtrikots aussuchen. © Claudia Rothkamp

Ein weiteres Highlight ist der so genannte Multitouch Footwear Table, den mehrere Kunden gleichzeitig nutzen können. Das Prinzip: Legt der potenzielle Käufer einen Nike-Schuh auf das Display des Tisches, wird dieser im System über einen im Schuh integrierten RFID-Chip automatisch erkannt, sodass verschiedene Informationen zu diesem Modell in Echtzeit angezeigt werden. Dazu zählt auch, in welchen Größen und zu welchen Preisen der Schuh online oder im Shop verfügbar ist. Darüber hinaus lassen sich unterschiedliche Schuhmodelle bezüglich ihrer Eigenschaften direkt auf dem Tisch miteinander vergleichen, da mehrere Schuhe gleichzeitig auf dem Multitouch Table platziert werden können. Außerdem werden neben den Produktinformationen auch produktbezogene Bundesliga-Statistiken sowie Videos von Athleten, die den Schuh tragen, mitgeliefert. Wie bei den meisten Touch-Anwendungen schmälern aber auch hier vermatschte Fingerabdrücke das optische Vergnügen.

Multitouch Footwear Table

Claudia Rothkamp

Der Multitouch Footwear Table liefert Infos zu unterschiedlichen Schuhmodellen. © Claudia Rothkamp

Einen Wermutstropfen liefert zudem die etwa 9 Quadratmeter große Touch-Videowall im Eingangsbereich des Shops, die sich aus einer 3 x 4 Matrix zusammensetzt. Die Theorie: Sie soll nicht nur Bilder und Live-Streams aus der Fußball-Welt sowie Produktinformationen präsentieren, sondern zudem Echtzeit-Posts und -Content aus der 11teamsports Community und Live-Statistiken verschiedener Fußball-Ligen liefern. Darüber hinaus sollen integrierte 3D-Kameras Informationen über sich nähernde Personen an das System liefern, sodass direkt ein erster Kontakt zu diesen hergestellt werden kann. Mit Hilfe der Kameras soll außerdem individuell erstellter Content direkt an die Wall gepostet werden können und ein Login über das lokale WiFi oder die native App des Retailers soll es ermöglichen, Inhalte per Gestensteuerung auf das eigene Smartphone zu übertragen und zu teilen. So weit die Theorie. In der Praxis zeigte sich die Videowall beim Vorort-Besuch sehr behäbig und auch die interaktiven Funktionen waren nicht zur „Zusammenarbeit“ bereit. Als Begründung wurde das warme Wetter genannt. Das wiederum lässt darauf schließen, dass bei der Wahl der Hardware nicht ausreichend auf die Leistung der Kühlung geachtet wurde. Schade eigentlich.

Touch-Videowall

Claudia Rothkamp

Die Touch-Videowall verfügt über zahlreiche interaktive Funktionen. © Claudia Rothkamp

o2 Live Concept Store
Eine gelungene Kombination aus stationärem Handel und Instore-Digitalisierung bietet auch der O2 Live Concept Store in der Tauentzienstraße, der 2014 bereits mit dem IF Design Award 2014 ausgezeichnet wurde. Dabei werden Produkt- und Markenerlebnis systematisch in den Fokus gerückt. Vor allem dürfen und sollen die Ladenbesucher die Geräte anfassen und ausprobieren und die Vorteile verschiedener digitaler Services und Produkte testen können. Und zwar unabhängig davon, welches Logo die jeweilige SIM-Karte des Besuchers trägt. Entsprechend stehen hier weniger Tarife und Tarifoptionen von o2 im Mittelpunkt, sondern vielmehr Endgeräte und Zubehör verschiedener Hersteller sowie der Mehrwert, den einzelne Dienste generieren können. Und die wechseln in regelmäßigen Abständen. Pünktlich zur Fußball EM wurde für diesen Sommer z. B. eine kleine Test-Arena für die Virtual Reality Brillen Samsung Gear VR eingerichtet, mit denen man sich auch die Spiele live ansehen kann, und auf einer Verkaufsinsel zeigt der Taschenprojektor Philips PicoPix, was er in Verbindung mit einem Smartphone so alles drauf hat.

Praktische Anwendungsbeispiele der Digital Retail Tour

Claudia Rothkamp

Praktische Anwendungen werden unabhängig von Marken und Providern präsentiert. © Claudia Rothkamp

Das Touch-Display im Bereich des Zubehörs bietet zudem die Möglichkeit, sich die passenden Hüllen, Folien und andere Dinge für das eigene Smartphone direkt in den Laden oder nach Hause zu bestellen, sollte das Wunschprodukt nicht vor Ort verfügbar sein. Und im Bereich der Anwendungsdemos wird den Besuchern veranschaulicht, was ein Smartphone so alles kann. Hier werden im Wechsel digitale Alltagshelfer vorgestellt, z. B. der Bilderkennungs-App Google Goggles. Auch ein kleiner Veranstaltungsbereich mit Videowall wurde im hinteren Bereich des Shops eingerichtet, der während der Ladenöffnungszeiten als alternative Beratungsecke dient.

Touchdisplay für Nachbestellungen

Claudia Rothkamp

Was im Shop nicht auf Lager ist, kann per Touchdisplay direkt bestellt werden. © Claudia Rothkamp

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.