Audi driving experience center

Ganzheitlich geplante Medientechnik im Showroom

Im Audi driving experience center (Adec) werden nicht nur Fahrtrainings auf einer eigenen Fahrstrecke durchgeführt. Das angeschlossene Kundengebäude ist als Multifunktionsareal für die verschiedensten Events ausgelegt. Die Medientechnik spielt dabei eine grundlegende Rolle.

Audi Driving Experience Center

© Audi AG

Erkundet man das zentrale Kundengebäude des Audi driving experience centers in Neuburg an der Donau wird schnell klar, dass Audi hier eine ganzheitliche Markeninszenierung geschaffen hat, bei der die Botschaften des Brands über verschiedene Kanäle und Veranstaltungstypen vermittelt werden sollen. Vom Fahrertraining bis zur Pressekonferenz, von der Fahrzeugpräsentation bis zur Unternehmenstagung und kulturellen Events reicht die Palette der Veranstaltungen, für die das Gebäude ausgelegt ist. Dabei nutzt Audi das experience center nicht nur unternehmensintern. Auch Audi-Kunden können sich hier einmieten. Geboten werden dafür Präsentationsflächen auf zwei Ebenen, ein in der Größe variabler Konferenzbereich sowie ein Restaurant, von dessen Aussichtsterrasse Besucher einen Blick über das gesamte Gelände genießen können.

Helle Videowall trotz Glasfront?
Beim Betreten des Kundengebäudes begrüßt die Gäste eine 4,80 × 2,80 m große Videowall mit 16 steglosen Full-HD 55″-Monitoren, die mit der eigens produzierten Digital-Signage-Software „AMMS (Audi Multi Media System) Octopus“ in 3D und 4K-Auflösung (4.096 × 2.160 Pixel) bespielt wird. Neben Audi Image-Spots laufen auf der Wand im Foyer auch Inhalte, die über das Adec-Programm und aktuelle Veranstaltungen informieren. Darüber hinaus sollen die Besucher Technik-Renderings und Prototypen zu Gesicht bekommen. „Gerade bei wissenschaftlichen Themen oder schwer vorstellbaren technischen Abläufen lassen sich Formen, Bewegungsabläufe oder Designstudien im dreidimensionalen Raum besser verstehen und begreifen. Aber auch bei Informations- oder Image-Spots lässt die 3D-Technologie die Zuschauer maximal in die dargestellten Inhalte eintauchen“, beschreibt Audi-Projektleiter Wolfgang Vogt die Vorteile der 3D-Präsentation.

Das Adec bietet Präsentationsflächen auf zwei Ebenen sowie ein Restaurant und eine Aussichtsterrasse mit weitläufigem Blick über das 47 Hektar große Gelände.

© Audi AG

Das Adec bietet Präsentationsflächen auf zwei Ebenen sowie ein Restaurant und
eine Aussichtsterrasse mit weitläufigem Blick über das 47 Hektar große Gelände.

Als externe Umsetzungspartner für die AV-Technik holte sich Audi das Planungsbüro hp+plan und die MedientechnikSpezialisten von BFE ins Haus. Die Monitore wurden vom amerikanischen Hersteller Planar als besonders lichtstarke Variante eigens für Audi gefertigt. „Auf der Suche nach geeigneten 3D-Polarisationmonitoren fanden wir kein Serienmodell auf dem Markt, das unseren Ansprüchen an die Darstellungsqualität in einem zweiseitig verglasten Raum entsprach. Unser Ziel war es, auch bei hellem Sonnenschein farbstarke Bilder zeigen zu können. Der Monitorspezialist Planar konnte exakt auf unsere Vorstellungen eingehen und fertigte für uns eine eigene Serie von rund 50 Monitoren mit einer extrem hohen Leuchtdichte von 800 Nit. So haben wir hier die derzeit hellsten 3D-Polarisationsmonitore der Welt in Betrieb“, begründet Vogt die Entscheidung zur Auftrags-Entwicklung. Dabei wird die Helligkeit der Bildschirme über integrierte Lichtsensoren in Abhängigkeit des Umgebungslichtes gesteuert. Auf diese Weise wird das Bild in hoher Qualität, aber nicht heller als nötig dargestellt.

Kabelfreie Event-Zone
Unsichtbar hinter der Verkleidung der Monitorwand befinden sich zehn XLR Audio-Eingänge, die über Klapptüren zugänglich sind und für den Anschluss von Instrumenten oder anderen Tonquellen dienen. Diese sind durch ein unter dem Boden verlegtes Multicore-Kabel mit dem hinteren Raumteil verbunden. Bei einer Veranstaltung mit Live-Musik lässt sich dort direkt ein Mischpult anschließen ohne lästige Kabel zwischen Bühne und Mischpult. Bei Bedarf kann für Sonderveranstaltungen gemietete Eventtechnik einfach in der Halle integriert werden. Strom-, Audio-, Video-, Licht- und Steuerungspult-Anschlüsse werden in Decken, Boden und Wänden vorgehalten. Traversen-Aufnahmepunkte befinden sich an der Decke direkt vor der Videowand. Über strategisch gesetzte Bodentanks sind weitere Energieanschlüsse für einen erweiterten Catering-Betrieb zugänglich. So entstehen auch bei unterschiedlichen Nutzungsszenarien keine Stolperfallen durch herumliegende Kabel.

Die große Monitorwand wird mittels der eigens produzierten Digital Signage Software „Audi Multi Media System Octopus“ in 3D und 4K Auflösung bespielt.

© Audi AG

Die große Videowall wird mittels der eigens produzierten Digital Signage-Software
„Audi Multi Media System Octopus“ in 3D und 4K Auflösung bespielt.

„Es war ein Riesenvorteil beim Bau des Adec, dass wir Medienplaner bereits in einer sehr frühen Phase einbezogen wurden. So konnten wir die in der Praxis sehr wertvollen Punkte, wie Bodentank-Planung oder unterirdische Multicore-Verlegung, einfach umsetzen. Wer so etwas beim Bau nicht mit einplant, hat hinterher immer mehr Aufwand und schlechtere Voraussetzungen“, erläutert Event-Experte Achim Hannemann, der im Auftrag von hp+plan die Bauleitung für die AV-Technik im Adec übernahm.

Lichtszenarien und Soundduschen
Beschallt wird die Monitorwand über ein Line-Array mit jeweils 18 Lautsprechern, die dezent in einem Gesamtgehäuse untergebracht sind und so die Optik der Wand nicht stören. Unterstützt wird die Audiobeschallung durch 16 Deckenlautsprecher, die einzeln angesteuert und akustisch angepasst werden können. So lassen sich verschiedene Soundszenarien – abgestimmt auf Raumnutzung, Personenzahl, Bestuhlung oder Veranstaltungsart – auswählen. Das komplette Gebäude wurde in insgesamt 42 Veranstaltungszonen unterteilt, die mit verschiedenen Szenarien unterschiedlich beschallt werden können. Realisiert wurde die Raumsteuerung über eine Crestron-Anlage, die gemäß den vorprogrammierten Szenarien nicht nur die Beschallung regelt, sondern auch verschiedene Lichtstimmungen erzeugt.

Die Service-Klappen der Monitorwand lassen sich einfach öffnen.

© Markus Tischner

Die Service-Klappen der Monitorwand lassen sich einfach öffnen.

Die große Videowall wird im Erdgeschoss ergänzt durch reelle Ausstellungsstücke wie Autos, Motorräder, Simulatoren oder Sonderexponate. In deren unmittelbarer Nähe sind jeweils Monitore platziert, die über das jeweilige Ausstellungsstück informieren. Damit sich diese Displays nicht untereinander stören oder mit dem Sound der Monitorwand konkurrieren, werden sie von der Decke mit sogenannten Soundduschen beschallt. Da diese nur einen wenige Quadratmeter großen Bereich abdecken, kann der Besucher an jedem Exponat konzentriert zuhören.

Flexibles Konferenzareal
Eine frei schwebende Wendeltreppe führt ins Obergeschoss, wo sich der Konferenz- und Restaurantbereich befinden. Zur Orientierung informiert ein 55″ Monitor die Besucher schon kurz hinter dem Treppenaufgang zu Veranstaltungsthemen und Räumlichkeiten. Der Konferenzbereich setzt sich aus drei Konferenzräumen mit einer Kapazität für jeweils 60 Personen zusammen, die durch Faltwände voneinander getrennt sind. Bei Bedarf können sie nach Wunsch zusammengelegt werden, so dass bei kompletter Öffnung eine Bestuhlung für rund 200 Personen möglich ist – in Kombination mit der angeschlossenen Ausstellungsfläche ist ausreichend Raum für bis zu 250 Personen vorhanden. Über entsprechende Türkontakte wird die aktuelle Raumkonfiguration an das Crestron-Mediensteuerungssystem gemeldet – die Raum-Foyer Beleuchtung und die Raumbeschallung werden automatisch darauf abgestimmt.

Am Kopfende des Konferenzareals befindet sich eine 7,30 x 2 m große Videowall, die aus 18 Displays mit 55“ Bildschirmdiagonale besteht. Mit einem Seitenverhältnis von 32:9 ermöglicht sie es, zwei Full-HD-Präsentationen nebeneinander zu zeigen. Über vorprogrammierte Modi kann man auch die gesamte Breite mit einer Präsentation belegen, eine Full-HD-Präsentation zentral zeigen oder andere Konstellationen auswählen. Im vordersten der drei Konferenzräume wurde eine 3,60 × 2 m Videowall bestehend aus neun Displays mit jeweils 55″ installiert. Diese befindet sich bei offenem Konferenzareal im linken hinteren Wandteil, nach Abtrennung des Raums wird sie zur Präsentationsfläche an dessen Kopfseite. Wie im Erdgeschoss sind in der Mitte der Konferenzräume jeweils acht Downlights angebracht, die zum Beispiel zur Inszenierung von Fahrzeugen oder anderen Präsentationsobjekten dienen können. Drei in den einzelnen Konferenzräumen fest installierte Domekameras mit 20-fachem Zoomobjektiv können solche Präsentationen auch in andere Räume übertragen.

Der komplett geöffnete Konferenzbereich eröffnet den Blick auf zwei Monitorwände.

© Audi AG

Der komplett geöffnete Konferenzbereich eröffnet den Blick auf zwei Videowalls.

Gebäudesteuerung: komplex und einfach
Die Steuerung der Domekameras erfolgt über ein in die Wand eingelassenes 19″ Touchdisplay, das ebenfalls den Zugriff auf die Raumsteuerung des gesamten Gebäudes ermöglicht. Damit Unbefugte nicht unbeabsichtigt das System verstellen, gibt es für die Touchpanels ein definiertes Berechtigungskonzept. Die komplexe Crestron-Gebäudesteuerung ist dabei vereinfacht abgebildet: Auf den Monitoren sehen die Benutzer ein Foto des Raums, den sie gerade bedienen. Beschriftete Icons sind genau an der Stelle des Bildes platziert, an dem das entsprechend zu schaltende Objekt liegt – also Leuchten, Lautsprecher, Domekameras, Stromschienen, Jalousien, etc. Diese Darstellung ermöglicht es auch ungeübten Usern, die für den Tagesbetrieb aus Bedienersicht wichtigen Einstellungen vorzunehmen.

Das gilt auch für den benachbarten Bar- und Restaurantbereich, der mit einer flexiblen Bestuhlung zur Erweiterung der Veranstaltungsfläche genutzt werden kann. Generell ist er eher zurückhaltend mit AV-Technik ausgestattet. Das Areal kann aber unabhängig von den sonstigen Bereichen mit Hintergrundmusik bespielt oder mit übergreifender Beschallung versorgt werden, falls ein Event die Fläche des Kundenrestaurants mit einschließt. Für diese Nutzungen sind bereits Audio- und Lichtszenarien in der Crestron-Gebäudesteuerung vorprogrammiert.

 

 

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat Audi für das Kunden gebäude von Audi Neuburg das Zertifikat in Gold verliehen. Im Bild von links nach rechts: Klaus Demel, Leiter Audi driving experience; Dr. Christof Messner, Projektleiter Audi Neuburg; Dr. Bernhard Gmehling, Oberbürgermeister der Stadt Neuburg; Klemens Herrle, Architekt des Kundengebäudes, Neuburg; Dr. Wolfgang Ullrich, Leiter Audi Sport; Marcus Herget, Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen; Dr. Markus Treiber, Büro Drees & Sommers.

© Audi AG

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat Audi für
das Kunden gebäude von Audi Neuburg das Zertifikat in Gold verliehen.
Im Bild von links nach rechts: Klaus Demel, Leiter Audi driving experience;
Dr. Christof Messner, Projektleiter Audi Neuburg; Dr. Bernhard Gmehling,
Oberbürgermeister der Stadt Neuburg; Klemens Herrle, Architekt des Kundengebäudes,
Neuburg; Dr. Wolfgang Ullrich, Leiter Audi Sport; Marcus
Herget, Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen; Dr. Markus Treiber,
Büro Drees & Sommers.

 

Autor: Markus Tischner

Im Interview erläutert der Architekt des Adec, Klemens Herrle, worauf es bei der Planung des Adec ankam.
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