Interview mit Innenarchitekt Wolfgang Miazgowski

Flexible Lösung für Konferenzräume

Der Name HPP Architekten steht für zahlreiche renommierte nationale und internationale Projekte, von denen Wolfgang Miazgowski einige als Innenarchitekt verantwortet und begleitet hat. Dabei spielt auch die zeitgemäße Integration der erforderlichen Medientechnik eine immer größere Rolle. Ein Praxisbeispiel in Sachen Konferenzraum.  

Philip

In Kooperation mit der Firma Fröscher und deren Marke Philip hat HPP ein mobiles Tischsystem mit integrierter Medientechnik für drei typische Raumbestückungen (im Bild die Ovalform-Variante) entwickelt.

Für den Vorstandsraum eines deutschen Großunternehmens haben Miazgowski und das HPP-Team zusammen mit der Fröscher GmbH & Co. KG (Marke Philip) eine flexible Konferenztisch-Lösung geschaffen, die Medien- und Konferenztechnik mitsamt Verkabelung und Anschlüssen integriert. Details und Hintergründe dieser Arbeit erläutert Wolfgang Miazgowski im folgenden Interview:

Herr Miazgowski, welches Projekt war in Sachen audiovisueller Medientechnik eine besondere Herausforderung für Sie? 
Da fällt mir spontan eine sehr komplexe Aufgabenstellung eines Bauherrn ein, bei der sozusagen das Unmögliche möglich gemacht werden sollte: Es ging darum, für einen für mehr als 50 Personen bespielbaren Konferenzraum ein flexibles und schnell änderbares Konferenztischsystem zu entwickeln – wir reden also von unterschiedlichen Szenarien der Bespielbarkeit, verschiedenen Tischformen, komplexer medientechnischer Verkabelung und audiovisueller Darstellung im gesamten Raum.

Das Problem bei hochkomplexen Konferenztisch-Anlagen ist ja normalerweise, dass sie über einen relativ hohen Verkabelungsstatus verfügen und die Medientechnik in diesen Räumen fest installiert wird – mit der Flexibilität ist es also so eine Sache. Entsprechend haben wir in enger Zusammenarbeit mit der Firma Fröscher und deren Marke Philip ein mobiles System entwickelt, das es so auf dem Markt noch nicht gab: nämlich mit der Funktionalität von drei typischen Raumbestückungen sowie integrierter Medientechnik.

Das System besteht aus lediglich drei Teilen – einem statischen Fußgestell, einem sogenannten Medienboard, das die Hülle bildet und die gesamte Medientechnik beinhaltet, sowie einer Tischplatte, die die Verbindung der einzelnen Elemente darstellt. Durch diese klare Aufteilung haben wir erreicht, dass die Schnittstellen klarer definiert sind. Die Medientechnik kann in der geschaffenen Medienboard-Hülle bereits vormontiert werden, denn alle Gerätschaften, wie Zuspielgeräte, Switch-Komponenten usw., sind dort integriert. Werkseitig werden diese beim AV-Integrator bereits auf einer Groß-Platine bestückt, die in unsere Medienboard-Hülle dann nur noch eingeschoben werden muss.

Philip

Das Tischsystem besteht aus einem statischen Fußgestell, einem sogenannten Medienboard, das die Hülle bildet und die gesamte Medientechnik beinhaltet, sowie einer Tischplatte, die die Verbindung der einzelnen Elemente darstellt.

Was sind die Vorteile dieser Bauweise?
Man kann die Medientechnik beispielsweise in Hamburg bauen und in Süddeutschland anliefern lassen. Dort muss das Modul dann nur noch seine bauliche Hülle füllen. Das Ganze funktioniert automatisch, da alle Steck-Kontakte, alle verlöteten Kabel usw. bereits komplett vorhanden sind. Durch die Aufteilung in diese insgesamt 3+1 Bauteile haben wir jetzt ein Tischsystem geschaffen, welches sich in kurzer Zeit auseinander nehmen bzw. sich in einer neuen räumlichen Konfiguration zusammenschließen lässt. Beispielsweise kann so ein runder Konferenztisch für circa 40 Personen gebaut werden oder eben auch verschiedene U- oder Oval-Formen, die mehr als 50 Personen aufnehmen können.

Theoretisch lassen sich aus diesen Tischtypen unzählige Formen generieren – bis hin zum Einsatz in Auditorien und Plenarsälen. In unserem konkreten Fall wurden jedoch diese drei Hauptbilder des Konferenzraums konfektioniert, die schnell umgebaut werden können. Wenn um 12 Uhr mittags die eine Konferenz zu Ende ist, so kann am nächsten Morgen schon die nächste mit einer anderen Teilnehmerzahl und Konfiguration stattfinden – das war das Ziel.

Ein weiterer wichtiger Aspekt war zudem, dass der Umbau nach kurzer Einführung ohne Fachpersonal erfolgen kann. Für die vier Komponenten gibt es daher spezielle Wagen, die zum Transport und zur Zwischenlagerung bei Nichtbenutzung dienen. Theoretisch ließe sich das Tischsystem also auch in jedem anderen Raum des Hauses problemlos aufbauen, sofern er über die entsprechenden Bodentank-Anschlüsse verfügt. Denn auch diese haben wir im Rahmen unserer komplexen 3D-Planung der Tischanlage schon frühzeitig exakt im Boden eingemessen. Durch die Verkettung untereinander können wir bis zu vier Tische mit einem Bodentank verbinden, so dass deren Anzahl im Raum gering gehalten werden konnte – die „klare“ Gesamtwirkung des Raumes steht im Vordergrund.

Worin bestand die Schwierigkeit ein solches Tischkonzept umzusetzen?
Wir mussten einen Spezialisten finden, der sich nicht nur täglich mit medientechnischem Sonderbau beschäftigte, sondern noch dazu bereit war, ein solches Wagnis ohne Auftragssicherheit einzugehen. Zunächst einmal war das Ganze ja ein Experiment, dessen Ziel im besten Fall eine konkurrenzfähige Produkteinführung im Markt war. Garantien gab es dafür jedoch keine. Zu unserem Glück haben wir mit der Firma Fröscher und deren Marke Philip einen Partner gefunden, der von Anfang an von der Marktfähigkeit unserer Idee überzeugt war und den gesamten Entwicklungsprozess mit großer Leidenschaft und einem riesigen Engagement begleitet hat.

Insbesondere der für Marketing und Vertrieb verantwortliche Geschäftsführer Uwe Böhm hat uns von seinem langjährigen Erfahrungsschatz in diesem Bereich profitieren lassen. Das hat uns auch dabei geholfen, das komplexe medientechnische Gebilde wieder auf eine gewisse Einfachheit „herunterzudeklinieren“ und eine wirtschaftlich optimale Lösung zu schaffen. Getreu dem Motto: „Less is more“. Gleichzeitig sollte sie aber technisch so offen sein, dass die einzelnen Komponenten nach Bedarf jederzeit ausgetauscht oder erneuert werden können. So kann die Tischanlage immer auf dem technisch neuesten Stand bleiben. Ein weiterer Vorteil: Da die Lösung aus Einzelteilen besteht, kann auch eine design- oder farbtechnische Anpassung jederzeit erfolgen. Das macht sicherlich auch den Reiz des neuen Tischsystems für alle anderen Aufgaben aus, die jetzt in Zukunft auf uns zukommen könnten – angefangen bei Anforderungen von komplexen Anlagen für Landtage bis hin zu großen Konferenzszenarien können wir diesen Tisch immer wieder neu erfinden.

Philip

Als ergänzende Option zum Tischsystem ist die „Monitorinsel“ zu verstehen – ein ebenfalls modulares und fahrbares Medienmöbel mit integrierter Technik zur Darstellung von digitalen Inhalten.

Hat diese Kooperation Ihre Sichtweise auf die Medientechnik verändert?
Unbedingt! Wir haben natürlich auch bei früheren Aufgaben schon Berührungspunkte mit Sonderanfertigungen der Medientechnik gehabt, aber ein Produkt dieser Größenordnung zu entwickeln war sicherlich auch bei uns im Haus eine Neuheit, eine Innovation. Die intensive Zusammenarbeit mit allen Beteiligten – vom Bauherrn über den Tischhersteller bis zum Medientechniker – und dieser permanente Prozess der Angleichung, der Optimierung und der Systematisierung haben dazu geführt, dass wir viel mehr Einblicke in die medientechnische Komplexität gewonnen haben. Daraus folgt: Die Zusammenarbeit mit den Spezialisten auf der Seite der Medientechnik kann immer noch weiter intensiviert werden. Das betrifft nicht zuletzt die schon eingangs erwähnte gemeinsame sprachliche Ebene, die noch viel Optimierungspotenzial besitzt. Wir, die Architekten, müssen mehr von der Sache verstehen und uns stärker informieren, um noch näher an diesen Themen dran zu sein.

Für mich persönlich hat sich mit Publikationen wie KommunikationsRaum. und PROFESSIONAL SYSTEM (Schwestermagazin von KommunikationsRaum) plötzlich eine neue Welt eröffnet, die mir zeigt, dass es wirklich einen Bereich gibt, der sich sehr präzise und professionell mit diesem Thema beschäftigt. Es ist ein sehr informatives Instrument, um immer auf dem Laufenden zu sein. Denn auch wir müssen uns permanent updaten, um zu wissen, welche Möglichkeiten in dieser komplexen Aufgabenstellung bestehen und können so grenzüberschreitend aus den anderen Bereichen lernen.

Herr Miazgowski, wir danken für das Gespräch.

Interview: Helga Rouyer-Lüdecke

Warum auch Innenarchitekten die Sprache von Medientechnikern verstehen sollten, erläutert Wolfgang Miazgowski hier. 

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