Light & Building 2016: Licht und Gebäudetechnik Trends

digital – individuell – vernetzt

… so lautete das Motto Light + Building 2016. Die internationale Leitmesse für Weltleitmesse für Licht und Gebäudetechnik konnte erneut deutliche Aussteller- und Besucherzahlen verbuchen. PROFESSIONAL SYSTEM hat sich in den Hallen nach den Haupttrends umgeschaut …

Light & Building 2016

© Messe Frankfurt/Pietro

© Messe Frankfurt/Pietro

Vom 13. bis 18. März zeigten 2.589 Aussteller aus 55 Ländern ihre neusten Lösungen für Licht, Elektrotechnik sowie Haus- und Gebäudeautomation. Rund 216.000 Fachbesucher aus 160 Ländern informierten sich über Innovationen, Lösungen und Produktneuheiten. Mit diesem Zuwachs von 2,3 Prozent bestätigte die Light + Building ihren Ruf als Weltleitmesse – nicht zuletzt, weil die Internationalität im Vergleich zur Vorveranstaltung nochmals angestiegen ist: 67 Prozent (2014: 63 Prozent) der Aussteller und 49 Prozent (2014: 47 Prozent) der Besucher kamen aus dem Ausland.

Digitalisierung, Vernetzung, Energieeffizienz

In den Gewerken Licht- und Gebäudetechnik waren Digitalisierung, Vernetzung und Energieeffizienz die Hauptthemen der Ausstellung. Dabei setzen die Anbieter von Gebäudemanagement- und Raumsteuerungssystemen vermehrt auf das „Internet of Things“ (IoT).

Immer kleinere Computer werden in Geräten eingebettet, werten die anfallenden Daten wie Temperatur, Strom, Personenaufkommen etc. aus und steuern die Geräte entsprechend der programmierten Vorgaben. Dabei sind die Geräte miteinander in Internet-ähnlichen Strukturen miteinander vernetzt.

 

Das Internet of Things (IoT) hält in der Elektro- und Gebäudetechnik Einzug © Helga Rouyer-Lüdecke
Das Internet of Things (IoT) hält in der Elektro- und Gebäudetechnik Einzug © Helga Rouyer-Lüdecke

Aussteller wie ABB, Beckhoff, Bosch, Busch-Jaeger, Eaton, Gira, Hager, Jung, Legrand, Mennekes, OBO Bettermann, Phoenix Contact, Rittal, Schneider Electric, Siedle, Siemens, Stiebel Eltron oder Wago zeigten auf der Light + Building 2016 ihre Neuheiten. Weiterhin waren die verschiedenen Bus-Technologien mit Gemeinschaftsständen vertreten, darunter BACnet, EnOcean, KNX und LON.

Daneben haben sich namhafte Hersteller/Brands wie Bachmann, Brumberg, Etherma Gira, Jung, SimonsVoss und Steinel zur „eNet Allianz“ zusammengeschlossen. Ziel ist es, gemeinsam Lösungen anzubieten, die auf dem bidirektionalen Funkstandard eNet basieren und verschiedene Komfort- und Sicherheitsfunktionen im Smart Home bieten.

Beckhoff hat „PC-based Control“ als Basistechnologie für Industrie 4.0-Konzepte und die Internet-of-Things-Kommunikation konzipiert. Die Engineering- und Steuerungssoftware TwinCAT ermöglicht neben den klassischen Steuerungsaufgaben auch Anwendungen wie Big Data, Mustererkennung und Condition- oder Power-Monitoring und soll so nachhaltig die Produktionseffizienz erhöhen.

Für Analysefunktionen und die Kommunikation zwischen Steuerungen und Cloud-basierten Diensten stehen nun neue Softwarebibliotheken bereit: „TwinCAT Analytics“ speichert die Prozessdaten zyklussynchron lokal, auf dem Server oder in der Cloud.

Gebäudesteuerung total: Der futuristisch gestaltete Stand von Siemens © Helga Rouyer-Lüdecke
Gebäudesteuerung total: Der futuristisch gestaltete Stand von Siemens © Helga Rouyer-Lüdecke

Alle Daten werden aufgezeichnet und dienen als Grundlage für umfangreiche Analysen. „TwinCAT IoT“ unterstützt die gängigen Protokolle für die Cloud-Kommunikation und Push-Nachrichten an Smart Devices. Das Tool TwinCAT IoT stellt zusammen mit einem Industrie- oder Embedded-PC als IoT-Controller eine nahtlose Verbindung zwischen dem Internet of Things und dem Internet of Services her.

Im Fokus des Bosch-Messeauftritts stand das Gebäudemanagementsystem BIS (Building Integration System). Es integriert alle Sicherheitssysteme – von der Videoüberwachung über Brandmelde- und Evakuierungssysteme, Einbruchmeldetechnik bis hin zur Zutrittskontrolle – auf einer Plattform. Außerdem lassen sich vernetzte Gebäudetechnik-Funktionalitäten wie Schranken-, Tor- und Türensteuerung durch die BIS managen.

Die „Energy Platform“ von Bosch dient als Monitoring- und Analysetool zur Steigerung der Energieeffizienz in kommerziellen Gebäuden. Sie bietet in Echtzeit einen Überblick über Energieverbraucher und -kosten. Intelligente Algorithmen erkennen Abweichungen vom Sollzustand, melden Grenzwertüberschreitungen oder Störungen, liefern konkrete Lösungsvorschläge und setzen diese teilweise sogar vollautomatisch um.

Auf dem Stand von Crestron wurde nicht nur anschaulich eine Komplettlösung zum Steuern und Bedienen der Raumfunktion in einem Wohnhaus (inklusive Garten!) demonstriert. Mit Erweiterungen für seine „Fusion“-Plattform hatte Crestron auch Lösungen für medientechnische Anwendungen in gewerblichen und öffentlichen Gebäuden am Start. Die Software überwacht die Raumbelegung und schaltet während des gesamten Arbeitstages alle AV-Geräte je nach Raumzustand automatisch „an“ bzw. „aus“.

Neben der Energieeinsparung sollen so auch die Ausfallzeiten gesenkt und die Lebensdauer der technischen Geräte verlängert werden. Zudem kommuniziert Unternehmensmanagement-Software mit vernetzten Crestron-Komponenten. So können die Anwender vernetzte Räume und deren Technik buchen, überwachen und steuern. Nutzt man zusätzlich die Crestron-App „PinPoint“, kann dies auch automatisiert von jedem Ort und zu jeder Zeit erfolgen.

Einbruchmelde- und Evakuierungssysteme am Stand von Bosch © Messe Frankfurt/Jens Liebchen
Einbruchmelde- und Evakuierungssysteme am Stand von Bosch © Messe Frankfurt/Jens Liebchen

Siemens präsentierte sein gesamtes Lösungsangebot von Starkstrom bis Gebäudetechnik auf einem futuristisch gestalteten Stand. In Sachen Gebäudesteuerung präsentierte man mit Desigo Total Room Automation (TRA) ein System mit dem HLK, Beleuchtung und Beschattung zu einer perfekt aufeinander abgestimmten Gesamtlösung für den Raum verschmelzen sollen.

Die intelligente Raumregelung von Desigo TRA sorgt dabei für energieoptimalen Raumbetrieb und die Energieeffizienzfunktion RoomOptiControl erkennt unnötigen Energieverbrauch. Dieser wird automatisch am Raumbediengerät angezeigt; per Klick auf die Anzeige kehrt die Raumregelung dann in den energieoptimalen Betrieb zurück. Die offenen und programmierbaren PXC3-Raumautomationsstationen von Desigo TRA lassen sich via BACnet/IP ohne zusätzliche Schnittstellen in die Automationsebene mit ihren Primäranlagen einbinden. DALI- und KNX-Geräte lassen sich ebenso einbinden wie bestehende und neue Fühler bzw. Antriebe von Siemens.

Samsung Electronics war als Anbieter von elektronischen Komponenten vertreten und stellte ein vielseitig verwendbares „Smart-Lighting-Modul“ (SLM) vor. Samsungs SLM ist das Kernstück der Samsung Smart-Lighting-Plattform, die, integriert in LED-Beleuchtungssysteme, diese auf einfache Weise in intelligente digitale Knoten verwandeln soll. Die IoT-Plattform beinhaltet Verarbeitungsfähigkeiten, Firmware, Connectivity und eine offene Architektur, verbunden mit Sensoren zum Sammeln von Daten und der Entwicklung neuer Applikationen.

Handy-Ladestation, Anschlussfeld für Strom-, Medien sowie Datenanschlüsse und darüber hinaus noch ein elektronisches Feld, auf dem wichtige Informationen angezeigt werden: Diese Möglichkeiten bietet das intelligente Anschluss-System CablePort desk2 manager von Kindermann. Es besitzt neben den gängigen Blenden eine kabellose Ladestation. Viele Smartphones unterstützen heute schon standardmäßig den Qi-Ladestandard und können so ganz einfach auf die integrierte Ladeschale gelegt und mit Strom versorgt werden.

Handy-Ladestation, Anschlussfeld für Strom-, Medien sowie Datenanschlüsse und Informationsanzeige bietet das intelligente An-schluss-System CablePort desk2 manager von Kindermann © Kindermann
Handy-Ladestation, Anschlussfeld für Strom-, Medien sowie Datenanschlüsse und Informationsanzeige bietet das intelligente An-schluss-System CablePort desk2 manager von Kindermann © Kindermann

Für alle anderen mobilen Geräte bietet das CablePort desk2 ein automatisches Kabel-Einzugsmodul mit Micro-USB-Anschluss. Eine ganz neue Idee verfolgt Kindermann mit dem Einbau einer elektronischen Informationsanzeige in das Anschlussfeld. So lassen sich zum Beispiel die persönlichen Termine aus dem Kalender anzeigen, die Übertragung erfolgt dabei per Funk.

Auch audiotechnisch geht es ans Netz: So lässt sich der WHD AirBridge WLAN-Receiver über einen analogen AUX-Anschluss oder ein digitales optisches Audiokabel mit der HiFi-Anlage verbinden. Damit kann man die Wunschmusik aus dem WLAN-Netzwerk per AirPlay, DLNA oder UPnP abspielen.

Sicherheitstechnik im Visier

Entsprechend dem weiterhin wachsenden Bedarf an Sicherheitsmaßnahmen lag ein Schwerpunkt bei der diesjährigen Light + Building auf dem Bereich der Sicherheitstechnik. Diese wird zunehmend als Teil der Elektrotechnik gesehen, denn parallel zur Messe hatte der Kongress „Intersec Forum“ sein Debüt. Die zweitägige Konferenz für „vernetzte Sicherheitstechnik im Kontext intelligenter Gebäude“ bot zum einen Vorträgen zu Themen wie Sicherheitsapplikationen im Gebäude, Gebäudestandards vs. Sicherheitsnormen sowie Datenschutz und Datensouveränität.

Zum anderen fanden Diskussionsforen und Guided Tours zu Anbietern innovativer Sicherheitstechnik statt. Rund 150 Teilnehmer aus Planung, Installation und Betrieb von Gebäuden und sicherheitstechnischen Anlagen sowie aus der Elektroindustrie nahmen an der Erstveranstaltung teil. Laut Veranstalter wird das „zukunftsweisende und wichtige Thema Sicherheitstechnik“ am Standort Frankfurt in Zukunft weiter ausgebaut.

Aber auch Aussteller, die Sicherheitstechnik in ihrem Produktportfolio haben, zeigten deutlich Präsenz. Zu sehen waren vielfach (vernetzte) Lösungen im Kontext mit Licht- und Gebäudetechnik – einschließlich der Brandschutz- und Notfallalarmierungssysteme. Im Bereich Gebäudesicherheit stellten unter anderen Assa Abloy, Axis, Bosch Sicherheitssysteme, Hekatron, Mobotix Siemens Building Technologies und Schüco aus.

Crestrons Raummanagement-System Fusion kann auch BIM-Daten verarbeiten © Helga Rouyer-Lüdecke
Crestrons Raummanagement-System Fusion kann auch BIM-Daten verarbeiten © Helga Rouyer-Lüdecke

Als Sicherheitssystem mit VdS-zertifizierter Vernetzung demonstrierte Bosch die Einbruchmelderzentrale MAP 5000 (Modular Alarm Plattform) zusammen mit dem Zutrittskontrollsystem MATRIX. Das vernetzte System sorgt für mehr Sicherheit und Effizienz beim Sicherheitsmanagement. Als neu kombiniertes Beschallungs- und Evakuierungssystem ermöglicht PAVIRO eine schnelle Gebäudeevakuierung, um die Gefahr einer Massenpanik zu reduzieren.

Siemens hat das Angebot von Brandschutzschaltern aus der Reihe 5SM6 um eine Variante für Bemessungsströme bis 40 Ampere erweitern. Die neuen Geräte werden in die Elektroinstallation eingesetzt und schützen vor elektrisch verursachten Bränden. Sie eignen sich besonders für Stromkreise mit größeren elektrischen Verbrauchern wie Motoren etc. Die Brandschutzschalter detektieren serielle Fehlerlichtbögen, die durch Mängel in Elektroinstallationen entstehen können, und schalten Stromkreise innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde sicher ab. Die neuen Varianten bieten nun eine LED-hinterleuchtete Taste anstelle des mechanischen Auslösehebels, die auch als Reset- und Testtaste fungiert. Zudem nimmt das Gerät automatisch alle elf Stunden einen Selbsttest vor.

Intersec Forum
Parallel zur Messe fand erstmals der Kongress „Intersec Forum“ statt. Rund 150 Fachleute besuchten die zweitägige Konferenz für „vernetzte Sicherheitstechnik im Kontext intelligenter Gebäude“. © Messe Frankfurt/Sandra Gätke

Hekatron hat seine Genius Pro App für das „smarte“ Rauchwarnmelder-System Genius Plus weiterentwickelt und optimiert. Die App verfügt nun über ein neues Screen design und eine weiterentwickelte Nutzerführung durch den gesamten Inbetriebnahme- und Wartungsprozess. Besonderes Augenmerk wurde auf die Sicherung und Synchronisation der Inbetriebnahme und Wartungsdaten gelegt. Bisher lagen diese Daten ausschließlich lokal im Smartphone. Nun werden sie verschlüsselt in Echtzeit in einer Cloud gesichert, die höchsten Sicherheitsansprüchen genügen soll.

Axis Communications fokussierte Videoüberwachungslösungen für kleinere Unternehmen sowie Lösungen für Gebäudeplaner und Architekten. Für Ladengeschäfte stellte man die F-Serie vor. Das laut Hersteller einfach zu installierende, unauffällige Überwachungssystem umfasst bis zu vier HDTV-Kameras für die diskrete Überwachung im Innen- sowie Außenbereich. Basierend auf einem modularen Netzwerk-Kamera-Konzept ist die Kamera aufgeteilt in eine Sensoreinheit inklusive Objektiv und Bildsensor mit Kabel und in eine Haupteinheit, dem eigentlichen Kameragehäuse. Die kleine Sensoreinheit lässt sich unauffällig auf kleinstem Raum anbringen.

Light & Building 2016 Fazit

Hoher Internationalitätsgrad von Besuchern und Ausstellern, ein attraktives Rahmenprogramm und das integrative Ausstellungskonzept rund um Elektrotechnik, Gebäudetechnik und Licht machen das Erfolgsrezept der Light + Building aus. Ob sich die Sicherheitstechnik – auch aus den vorgenannten Gründen – auf der nächsten Light + Building als Teil der Elektrotechnik verstärken und etablieren wird, bleibt abzuwarten. Spätestens auf der nächsten Light + Building, die vom 18. bis 23. März 2018 stattfindet, wissen wir mehr.

 

 

 

 

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