Raumakustik verbessern

Hör mal! Was Sound mit Räumen macht …

Ob ein Raum “gut ankommt” hängt nicht nur von seiner visuellen Gestaltung und Einrichtung ab, sondern auch von der unsichtbaren Dimension, seiner akustischen Gestalt. Wie stark dieser Einfluss ist, erläutert der Fachplaner Stefan Mathias von hmpartner im Gespräch mit KommunikationsRaum.

Guter Sound ist nicht nur im Theatersaal des Ruhrfestspielhauses Recklinghausen ein Muss.

Jörg Küster

Guter Sound ist nicht nur im Theatersaal des Ruhrfestspielhauses Recklinghausen ein Muss.

Jeder kennt diesen Effekt: Findet eine Unterhaltung in Räumen mit deutlichen Umgebungsgeräuschen statt, wird sie – unabhängig vom Inhalt des Gesprächs – immer anstrengender. Warum das so ist und wie sich der Raumsound positiv beeinflussen lässt, war Thema des folgenden Interviews mit dem Fachplaner Stefan Mathias von hmpartner. Das Ingenieurbüro hat sich auf die Planung von audiovisuellen Kommunikationssystemen spezialisiert und seine Fachkompetenz unter anderem in Universitäten, Hochschulen, Kirchen, öffentlichen Einrichtungen, Banken, Verbänden und Industrie unter Beweis gestellt.

Interview

Eine Frage zum Einstieg: Wie würden Sie einen guten Raumsound definieren?
Es gibt leider nicht den guten Raumsound. Vielmehr kommt es darauf an, wie der Raum genutzt werden soll und welche Form der Kommunikation darin stattfindet. Dem muss die Raumakustik angepasst sein, um ein für den Menschen angenehmes Kommunikationserlebnis zu gewährleisten. Die Diskrepanz entsteht immer dann, wenn Räume nicht entsprechend ihrer Nutzung akustisch gestaltet werden und hinterher die Forderung nach einer besseren Verständigung seitens des Nutzers gestellt wird. Hier herrscht oft die Annahme, dass man dies mit technischen Mitteln schon irgendwie verbessern kann. Dies ist mitnichten möglich.

Technik kann hier helfen, wird aber immer nur zu einem mittleren Ergebnis führen. Indes die Kombination von gut designter Akustik und entsprechend adaptierter Technik führt zu hervorragenden Ergebnissen, die nicht nur in der Beurteilung von Fachleuten, sondern auch gerade in der Wahrnehmung von normalen Nutzern sehr positiv aufgenommen wird. Verfügen wir doch heute über viele Möglichkeiten, die Akustik eines Raumes vorherzusagen und entsprechend zu modellieren, kommt es doch leider oftmals zu der Situation, dass dieser Aspekt nicht hinreichend gewürdigt wurde. Wir verfügen heute über eine Bandbreite von akustisch wirksamen Materialien, die deutlich gewachsen ist gegenüber früheren Zeiten. Diese neueren Materialien lassen sich in sehr gefälliger, ästhetischer Form in Räumen einarbeiten und können ihre Funktion dort gut entfalten.

Fast 40 Diskussionsteilnehmer finden im großen Sitzungssaal im ADAC Neubau, München, Platz.

Jörg Küster

Fast 40 Diskussionsteilnehmer finden im großen Sitzungssaal im ADAC Neubau, München, Platz.

Die Optik, Speisen und Getränke stimmen. Dennoch fühlt man sich in vielen Restaurants oder Cafés nach kurzer Zeit unwohl. Warum kann man sich in Restaurants so schlecht unterhalten und fühlt sich dabei regelrecht gestresst?
Das menschliche Gehör reagiert auf eine Vielzahl von Impulsen, die auf uns ständig einwirken. Wenn wir in einem Restaurant versuchen dem Gespräch mit unserem Gegenüber zu folgen, sollte das allgemeine Umgebungsgeräusch, welches durch die anderen Anwesenden und vielleicht auch Hintergrundmusik erzeugt wird, deutlich unter der Lautstärke liegen, die unser Gespräch an sich hat. Ist dieses Umgebungsgeräusch auf selbem Niveau oder sogar stärker, kann unser Gehirn diese verschiedenen Informationen nicht mehr gut auseinander halten. Wir verstehen schlecht und reagieren mit Stress auf diese unklare Verständigung. Modern gestaltete Räume legen viel Wert auf den visuellen Eindruck, vernachlässigen jedoch darüber leider die akustischen Merkmale.

Nach Meinung von Fachplaner Stefan Mathias von hmpartner müssen stets die beabsichtigten Nutzungsszenarien ins akustische Raumkonzept einfließen.

Jörg Küster

Nach Meinung von Fachplaner Stefan Mathias von hmpartner müssen stets
die beabsichtigten Nutzungsszenarien ins akustische Raumkonzept einfließen.

Wodurch ist diese hohe Lautstärke denn nun bedingt?
Einfach gesprochen hängt es damit zusammen, dass die im Raum eingebrachte Schallenergie abgebaut werden muss – innerhalb einer bestimmten Zeitspanne. Wird diese Energie nur sehr langsam abgebaut, bleibt das allgemeine Lärmniveau weit oben angeordnet und stört damit die einzelnen Unterhaltungen der Menschen. Der gezielte Eintrag von akustisch wirksamen Elementen sorgt dafür, dass die im Raum befindliche Schallenergie zügig abgebaut wird und sich dadurch der Gesamtlärmpegel vermindert. Ein bekannter Effekt dabei ist auch der, dass, wenn man sein Gegenüber schlecht versteht, man selbst lauter spricht, der Gesprächspartner auch lauter spricht, alle anderen Leute anfangen auch lauter zu sprechen und damit das Gesamtlärmniveau noch weiter steigt – ein Teufelskreis. Die Augen können wir schließen, die Ohren leider nicht.

Betrachten wir die Arbeitswelt: Open-Space-Büros sind im Trend. Was kann man für die Akustik tun, damit die Mitarbeiter konzentriert arbeiten können?
Ähnlich wie im Restaurant ist es auch hier so, dass das Gesamtlärmniveau möglichst gering gehalten werden sollte. Es ist darauf zu achten, dass eine akustische Separierung der einzelnen Arbeitsplätze direkt untereinander, aber auch der entfernt gelegenen Arbeitsplätze untereinander erfolgen sollte. Es gibt in diesem Fall die direkte Übertragungsstrecke von, sagen wir mal, Mund zum nächsten Ohr und auch die Übertragungsstrecke, die über andere Raumflächen stattfindet, sogenannte Reflexionen. Man sollte versuchen, beide in einem Maß so zu beeinflussen, dass im Ergebnis eine ruhigere Arbeitsatmosphäre für den jeweiligen Mitarbeiter steht. Die Möglichkeiten sind auch hier vielschichtig. Angefangen bei Akustikdecken über Akustiksegel, Trennwandsysteme, Bodenbeläge und Leuchtenelemente, die auch akustische Funktionen haben können, bis hin zu akustisch wirksamen Bildern sind hier unglaublich viele Optionen gegeben, die Raumakustik innerhalb einer Arbeitswelt günstig zu gestalten.

Gilt das nicht auch für Lernräume in Schulen, Universitäten und Weiterbildungseinrichtungen oder sind sie besonders zu behandeln?
Der Klassenraum in einer Schule ist ein perfektes Beispiel für den Einsatz von akustisch wirksamen Materialien. Es gibt hier natürlich verschiedene Formen der Kommunikation. Angefangen vom Frontalunterricht über Diskussionen und Rollenspiele bis hin zur Gruppenarbeit. Das akustische Umfeld muss all diesen Kommunikationsformen gerecht werden, um Lernprozesse zu unterstützen und Stressoren zu vermindern. Dreh- und Angelpunkt ist auch hier wieder die Reduzierung des Gesamtlärmpegels und die günstige Beeinflussung des Schallverlaufes, die Nutzung von frühen Reflexionen, die der Verständigung dienlich sind und die Verminderung von späten Reflexionen, die das Verstehen von Inhalten beim Menschen verhindern.

Open Spaces gibt es auch in den Kundenbereichen von Banken oder öffentlichen Einrichtungen. Hier wird manches besprochen, das nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Wie kann hier die Privacy gewahrt bleiben? 
Im Grunde genommen handelt es sich hier um den entgegengesetzten Effekt. Zum einen möchte man vermeiden, dass die geführten Gespräche die direkte nahe Umgebung verlassen und überall in der Kundenhalle verstanden werden können. Zum anderen möchte man durch Einsatz sogenannter Maskierungstechnologien erreichen, dass gesprochene Worte in einem Teppich von künstlich erzeugten Geräuschen „untergehen“. Also ist es innerhalb solcher Open Spaces wichtig, Bereiche zu erzeugen, die eine bestimmte akustische Qualität haben und zusätzlich dafür zu sorgen, dass das Gesamtambiente von einer Grundstimmung günstig beeinflusst wird. Für ganz heikle Gespräche würde ich indes doch ein geschlossenes Beratungszimmer vorziehen.

Herr Mathias, wir danken für das Gespräch.

 

Interview: Helga Rouyer-Lüdecke

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