Praxistipps für Architekten

Wie man Stolperfallen bei der Zusammenarbeit mit Fachtechnikern vermeidet

Nobert Hönig, einer von Deutschlands dienstältesten Medientechnik-Consultants, gibt Praxistipps für die Projektzusammenarbeit zwischen Architekten und Fachtechnikern.

Seit 38 Jahren ist Norbert Hönig planerisch mit Medientechnik befasst und hat weltweit audiovisuelle Kommunikationstechnik für gewerbliche und öffentliche Bauwerke konzipiert. Die Bandbreite seiner Projekte umfasst Unternehmenszentralen, Bildungseinrichtungen, Hotels und Gastronomie sowie Konferenzzentren und Messekomplexe gleichermaßen. Zudem hat er als unabhängiger Sachverständiger viele Bauherren in Sachen Medientechnik beraten und ist als erfahrener Referent rund um das Thema AV-Technik unterwegs. Im folgenden Interview weist Hönig auf Stolperfallen in Projekten mit AV-Technik hin und gibt Hinweise für die Zusammenarbeit mit Medientechnikern.

Welche Erfahrungen haben Sie generell als Planer mit Architekten gemacht?
Seit den 80er Jahren habe ich unzählige Projekte geplant, die meisten in Zusammenarbeit mit Architekten. Die Erfahrungen sind hierbei sehr unterschiedlich und hängen von der Projektgröße und -konstellation ab. Beauftragt der Bauherr wie in den meisten Fällen den Fachplaner, muss sich der Architekt erst einmal an den „ungewohnten“ Medientechniker gewöhnen. Es kommen dann schon mal Fragen in einer Planungssitzung auf wie „Wann liefern Sie denn ihre Lautsprecher?“, da der Architekt davon ausgeht, dass der Lieferant mit am Tisch sitzt und zusätzlich beratend tätig ist – eine für viele Architekten übliche und bekannte Situation.

Medientechnik-Consultant Norbert Hönig

Norbert Hönig, Jörg Küster

Medientechnik-Consultant Norbert Hönig

Diese Situation verändert sich mit der Größe des Projektes und durch die deutliche Zunahme von komplexer Medientechnik in Projekten. Die Akzeptanz der Architekten für die notwendige Abstimmung bei der Integration von Medientechnik in anspruchsvolle Architektur steigt. Die Erfahrung aus meinen Projekten zeigt, dass der Architekt deutlich bereiter ist zu kooperieren, wenn er durch Fachkompetenz überzeugt wird und die Anforderungen für ihn nachvollziehbar sind. Auf dieser Basis wird der Fachplaner als vollwertiges Teammitglied in die Planung integriert. In den Planungsbesprechungen können dann alle relevanten Schnittstellen zum Gebäude oder der Technik eingebracht werden.

Der Architekt soll einen modernen Konferenzraum entwerfen. Was sollte er hierbei auf jeden Fall beachten?
Abhängig von der Größe des Raumes und der angedachten Teilnehmerzahl ist vor allem die Raumhöhe ein wichtiger Aspekt, der häufig vernachlässigt wird. Ohne eine geeignete Raumhöhe ist die erforderliche Bildgröße einer Projektion oder eines Displays (nach DIN 19045-4 von 1-5) nicht oder nur mit Kompromissen realisierbar. Z. B.: In einer typischen Konferenzraummöblierung mit repräsentativem Konferenztisch sollte die Bildunterkante nicht unter 140 cm über OKFFB (Oberkante-Fertig-Fußboden) liegen, da sonst der untere Teil der Bildinformation nicht von allen Teilnehmern eingesehen werden kann. Dies ist speziell bei einer Datenprojektion kritisch. Bei einem Videoinhalt ist es weniger problematisch, da sich die wesentliche Bildinformation meistens im Mittelpunkt des Formats befindet.

Als Grundlage für eine Berechnung der Raumhöhe kann folgende Formel zu Grunde gelegt werden: Bildhöhe (BH) + Unterkante Bild (UKB je nach Raumgröße und Bestuhlung) + 10 cm Abstand Leinwand zur Decke. Beispiel: BH 180 cm + UKB 140 cm + 10 cm = 330 cm Raumhöhe über OKFFB. Dies liegt bereits 10 % über einer üblichen Raumhöhe (290–300 cm) eines Büroraumes. Auch die Raumakustik ist ein sehr wichtiger Faktor in der Umsetzung eines funktionierenden „Kommunikationsraums“. Denn ohne eine angenehme Akustik und eine gute Sprachverständlichkeit kommt weder ein Wohlfühlfaktor noch eine effiziente Kommunikation zustande.

Bei welchen Bauvorhaben sollte der Architekt von vornherein einen Medientechnik-Fachplaner hinzuziehen?
Unbedingt zu empfehlen ist dies bei Sonderräumen wie Auditorien, Ballsälen, Multifunktionsräumen etc., also bei allen Räumen, die größer sind und somit eine höhere Anforderung an die Präsentationstechnik und deren Integration stellen. Hierbei spielt es keine wesentliche Rolle, ob es sich um ein Neubau- oder ein Umbauvorhaben handelt. In Anbetracht der vorhandenen Bausubstanz könnte die Einbeziehung eines Fachplaners in ein Sanierungsprojekt allerdings noch wichtiger sein als bei einem Neubau.

Professionelle Planung von audiovisueller Kommunikationstechnik in einem Konferenzraum

Norbert Hönig, Jörg Küster

Professionelle Planung von audiovisueller Kommunikationstechnik in einem Konferenzraum

Wie findet der Architekt einen kompetenten Fachplaner?
Zunächst muss der Architekt den Bedarf und die Notwendigkeit erkennen, dass er einen weiteren Fachplaner benötigt. Die Medientechnik ist bis heute kein offizielles Gewerk, somit in der HOAI mit keiner eigenen Kostenstelle vertreten. Dadurch ist nicht jedem Architekten bewusst, dass hier noch ein Planungsbereich unbesetzt ist. Oft erhält der TGA-Planer, der ja sowieso an Board ist, den Planungsauftrag (Kostengruppe 400 Bauwerk – technische Anlagen / 450 – Fernmelde- und informationstechnische Anlagen).

Trotz dieser Grauzone kann festgestellt werden, dass in den letzten Jahren die Notwendigkeit eines Fachplaners für Medientechnik auf Seiten der Bauherren bzw. Auftraggeber und der Architekten deutlich zugenommen hat. Wenn die Notwendigkeit eines Fachplaners erkannt wurde, wird für Branchenfremde eigentlich nur die Recherche über das Internet erfolgen. Die wenigen Branchenportale sind Nicht-Insidern weitgehend unbekannt. Meine Erfahrung ist, dass durch Akquise des Planers oder auf Empfehlung, z. B. durch einen Systemintegrator, die Kontakte zustande kommen.

Ermittlung des geeigneten Bild-Betrachtungsabstandes für eine Präsentation im Besprechungsraum

Norbert Hönig, Jörg Küster

Ermittlung des geeigneten Bild-Betrachtungsabstandes
für eine Präsentation im Besprechungsraum

Warum sollte ein Architekt bei der Planung von modernen Office-Gebäuden, aber auch bei Schuleinrichtungen, Restaurants etc. einen Akustikplaner konsultieren?
In der modernen Architektur wird viel Glas, also schallhartes Material, verwendet. Für eine gute Akustik ist daher eine auf diese Materialien abgestimmte Bauakustik die Basis für eine gute Raumakustik, ohne die auch die Elektroakustik nicht auskommt. Nur bei einer guten Raumakustik ist eine brauchbare Sprachverständlichkeit mit und ohne Mikrofontechnik vernünftig realisierbar. Häufig wird jedoch ersteres versäumt und dann mittels der Elektronik (DSP – Digitales Sound Processing) versucht zu retten, was zu retten ist. Bei sorgfältiger Planung der Beschallungstechnik und einem erfahrenen Integrator kann hier ein guter Kompromiss erreicht werden.

Jedoch ohne gute Raumakustik bleibt es ein Kompromiss, wie gut er auch umgesetzt wurde. Auch der Schallschutz kann ein wesentliches Kriterium sein, z. B. im Hotel oder bei Meetingräumen. Hier kann der Akustiker durch Auslegung der Dämmung sowie durch die Stärke der Trennwände akustische Störungen vermeiden.

Herr Hönig, danke für das Gespräch.

Der Projektor wurde samt Lift in ein Glasdach eingelassen.

Norbert Hönig, Jörg Küster

Der Projektor wurde samt Lift in ein Glasdach eingelassen.

 

Interview: Helga Rouyer-Lüdecke

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