Interview mit Marcel und Christopher Heller

Architekturbüros im Wandel – Teil 2

Architektur und medientechnisches Design aus einer Hand? Das Heller Designstudio aus Stuttgart hat diesen Spagat bislang erfolgreich gewagt. Ein Gespräch mit Marcel und Christopher Heller über die Notwendigkeit von interdisziplinären Teams in Architekturbüros. 

Christopher Heller (li.) und Marcel Heller

Heller Designstudio

Christopher Heller (li.) und Marcel Heller

Beim Heller Designstudio entwickelt ein Team aus Konzeptern, Architekten, Strategen, Designern und Programmierern Raumlösungen, die das mediale Moment bereits enthalten – bis hin zur multimedialen Inszenierung. Das Unternehmen wurde 2007 vom Diplomarchitekten Marcel Heller gegründet, seit 2011 ist sein zehn Jahre jüngerer Bruder Christopher mit an Bord. Der Diplomdesigner (FH), Absolvent der Stuttgarter Merz-Akademie, verstärkt das Unternehmen als Mediendesigner. Im Gespräch erläutern die beiden ihr Konzept:

Welche Bereiche decken Sie im Heller Designstudio ab und wer sind Ihre Kunden?
Wir übernehmen insbesondere die Bereiche Architektur, Messedesign, Interior-Ausstattung, Content und Interaktive Anwendungen für unsere Kunden – am besten alles aus einer Hand. Unsere Kunden sind mittlerweile meist Endkunden oder auch die AV-Fachplaner, es sind weniger die Agenturen.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen den AV-Fachplanern und dem Heller Designstudio?
In der Zusammenarbeit mit AV-Fachplanern liefern wir meist den Content und die Software. Wir sind in keiner Weise Fachplaner, was die reine Hardware- oder Netzwerk-Konzeption angeht. Das liegt weiterhin bei den AV-Fachplanern, zum Beispiel bei der Macom GmbH, mit der wir häufig in Projekten zusammenarbeiten.

Welchen Stellenwert nimmt Medientechnik in der Architektur für Sie zukünftig ein?
Medientechnik und Architektur werden mehr und mehr zusammenwachsen, wobei sich die Medientechnik selbst immer schneller entwickelt. Das sehen wir ganz deutlich in unseren Projekten, in denen immer mehr Medien eingesetzt und vom Kunden nachgefragt werden. Wir erkennen damit auch ein extrem großes Potenzial für uns und unsere Arbeit. Auch in Konzepten mit reduziertem, smartem oder verstecktem Einsatz von Technik sehen wir eine Chance für die Architektur.

Können Sie aus Ihrer Sicht anderen Architekten Empfehlungen geben?
Wir würden uns mehr Interesse am Gebäude selbst und an der Integration Hybrider Räume in die Architektur wünschen. Gebäude haben eine lange Laufzeit, so dass man sich heutzutage, da die technische Entwicklung immer schneller voranschreitet, viel mehr mit diesen Themen auseinandersetzen muss. Und: Architektur sollte Technik und die Medien als Chance für die Zukunft nutzen.

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass Architekten das Potenzial der Medien nicht mehr ausschöpfen?
Sicherlich auch an der Ausbildung. Die Studieninhalte sind bei den Architekten immer noch klassisch, es geht um Materialkunde, Oberflächengestaltung, Gebäudenutzung etc. Es wird zwar Fachplanung Technik gelehrt, aber moderne Medien und deren Möglichkeiten spielen dabei oft noch keine oder eher eine untergeordnete Rolle. Aber es entwickelt sich – wenn auch langsam. Dabei sind die Veränderungen der Medien und der Technik extrem schnell, Veränderungen im Bau gibt es dagegen kaum.

Welchen Mehrwert kann eine enge Zusammenarbeit der Architekten, AV-Fachplaner und Ihnen bringen?
Extrem wichtig für die Zukunft ist eine frühzeitige Einbindung von Partnern wie Heller Designstudio in der ersten architektonischen Phase. Nicht erst wie heute in der späten Phase, wenn der AV-Fachplaner zum Einsatz kommt. Dies führt oft zu Problemen, da meist die Planungen des Architekten bereits abgeschlossen sind, was dann die Integration von Medien erschwert.

Sehen Sie spezielle Defizite bei den Integratoren?
Nein, die Hardware-Lieferanten machen einen guten Job und haben immer das neueste Equipment. Zudem gibt es ja auch eine riesige Auswahl, die sich aus unserer Sicht kaum voneinander unterscheidet. Wir definieren, was wir für das Konzept benötigen, und der Fachplaner bzw. Techniklieferant bringt die passende Technik mit ein.

Wie überzeugen Sie Kunden vom Einsatz von Medientechnik/Interaktivität? Oder ist das gar nicht notwendig?
Die Kunden sind offen dafür, auch finanziell, und erwarten meist in der Konzeptionsphase den Einsatz von Medien und Architektur, neue Ideen und damit einen Mehrwert für ihr Projekt.

Das Heller Designstudio ist international vor allem im asiatischen Raum und speziell in China aktiv – wie kommt das?
Aufgrund unserer langjährigen Kontakte zu China – Marcel Heller leitete bei Fa. Pesch & Partner das Asiengeschäft – arbeiten wir seit ein paar Jahren an einem Großprojekt und haben daher auch das Heller Designstudio in Shanghai gegründet. Und um die Projekte optimal zu koordinieren, haben wir extra eine Mitarbeiterin aus China hier bei uns im Stuttgarter Büro.

Gibt es Unterschiede zwischen Deutschland und China, insbesondere beim Einsatz von Medientechnik?
Ganz sicher. Zum einen geht in China alles schneller, zum anderen sind die Chinesen viel affiner für neue technische Entwicklungen. In unseren Projekten in China werden Entscheidungen viel schneller getroffen als bei den meisten Projekten in Deutschland. Dass dann ebenfalls gerne wieder kurzfristig umentschieden wird, ist für uns Deutsche dann aber auch wiederum „gewöhnungsbedürftig“. Allerdings ist die Medientechnik in China so gut wie nicht integriert und meist inhaltslos – das wollen wir in unseren Projekten auch dort ändern.

Wie wichtig ist Nachhaltigkeit in Ihrer Arbeit?
Sie wird immer wichtiger – dies berücksichtigen wir persönlich und aktuell in all unseren Projekten. Unter dem Motto „Sustainable Baukultur“ haben wir z. B. einen Messestand realisiert, bei dem im Auftrag des Kunden die Aspekte Ökonomie, Ökologie und Soziales berücksichtigt werden sollten. Großer Wert wurde auf die Wiederverwertbarkeit gelegt, beispielsweise waren Platten am Stand so konzipiert, dass sie danach als Tischplatten (2 × 1 m) weiterverwendet werden konnten. Außerdem war es ein flexibles Konzept mit beweglichen Tischen, bei dem letztlich die Kreativität der Menschen bei der Zusammenarbeit am Stand durch unterschiedliche Positionierungen zum Ausdruck kam. Zu beachten ist auch die Entwicklung der CMS-Systeme für Gebäude, die immer besser, schneller und günstiger werden. Von den CM-Mitarbeitern erfordern sie unter anderem weniger Wartung, lassen sich leicht bedienen und auch aktualisieren. Auch bei unserem Showroom Retail-Konzept in China haben wir sehr viel Wert darauf gelegt, mit natürlichen Pflanzen zu arbeiten und damit den Mehrwert im Raumklima und den allgemeinen Wert von Natur und Umwelt zu demonstrieren – wir nennen es unsere „Mission Grün“ für China.

Welche Trends sehen Sie für die nächsten Jahre?
Da sind wir uns absolut einig: die Integration der Mobilen Welt! Weitere wichtige Bereiche sind für uns das „Verstecken“ von Technik, der nahtlose (seamless) Datenaustausch sowie Themen rund um Virtual Reality, Streaming und Interaktion.

KommunikationsRaum. dankt für das Gespräch.

Wer wissen möchte, wie umgesetzte Projekte beim Heller Designbüro aussehen, findet hier ein paar Beispiele. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.