Interview mit Architekt Christian Koch

Architekt Christian Koch, verantwortlich für das Ausstellungskonzept im NS-Dokumentationszentrum München, gibt einen kleinen Rückblick auf den Entstehungsprozess. Zum Technikbericht gelangen Sie hier. 

© Markus Tischner

Digitale und analoge Medien ergänzen sich in der Ausstellung.

Wie unterscheidet sich das Dokumentationszentrum aus Ihrer Sicht von vergleichbaren Häusern?

Herausragend am NS-Dokumentationszentrum, im Vergleich zu anderen Ausstellungshäusern, ist die umfassende und technisch aktuelle Ausstattung mit Medien. Die Medientechnik spielt in der Ausstellung eine zentrale Rolle: Projektionen von historischen Filmen, animierte Bilderfolgen aus historischen Fotos und Dokumenten, großformatige Luftraumprojektionen zur Verdeutlichung der Nutzung der aus der Ausstellung sichtbaren Stadträume und Gebäude in der NS-Zeit, Modellaufnahmen, animierte Grafiken. Der Audio-Guide ist in mehreren Sprachen zu verschiedenen Themen und in leichter Sprache für die Besucher verfügbar.

Medientische erlauben den Besuchern im 1. UG Entstehung, Hintergründe und Zusammenhänge der NS-Ideologie zu erforschen. In einem Lernforum kann der Besucher die Elemente der Ausstellung digital abrufen und vertiefen. Die App „Orte Erinnern“ führt an über 100 Orte in München und Umgebung, die im Zusammenhang mit der NS-Zeit stehen und gibt Zusatzinformationen. Der nicht medienaffine, deutsch- oder englischsprachige Besucher kann die Ausstellung jedoch auch ohne zusätzliche Medien durchlaufen.

Ab welchem Zeitpunkt der Bauphase kam die Medientechnik auf die Agenda? Welche Erkenntnisse haben Sie aus dem Projekt mitgenommen?

Die Medientechnikexperten waren in der Bauphase des Gebäudes beauftragt worden. Unser Büro ist erst in der Ausbauphase für die Planung der Dauerausstellung hinzugezogen worden. Die Grundlagen der Medientechnik waren damals bereits geplant. Unser Büro hatte neben der Ausstellungsgestaltung auch Grafik und Mediengestaltung zu verantworten. Da die technische Medienplanung in der Bauphase von der Bauherrschafft, dem Baureferat der Landeshauptstadt, und dem Konzeptions- und Leitungsteam des NS-Dokumentationszentrums koordiniert wurde, waren die technischen Parameter der Medientechnik bereits festgelegt. Sicher wäre bei einem Projekt dieses Umfangs ein frühzeitiges Vorliegen eines Ausstellungsund Medienkonzepts zur Einarbeitung in die architektonische Planung sinnvoll.

Was sind für Sie die entscheidenden Punkte, wenn man die Integration von Medientechnik bei Bauvorhaben wie dem NS-Dokumentationszentrum betrachtet?

Das Projektteam des NS-Dokumentationszentrums hat in die Konzeption, Planung, Umsetzung der Medientechnik und Herstellung der Medieninhalte enorme Arbeit und Energien investiert. Als größte Herausforderungen sehe ich die Abstimmung der Medientechnik auf die Bedürfnisse und Anforderungen des Nutzers, das Hinzuziehen eines für die Aufgabe geeigneten Medienplaners, das Aufstellen und Beachten eines realistischen Zeitplans und die Planung einer langlebigen und vom Nutzer beherrschbaren Medientechnik.

Was würden Sie einem Architekten raten, der vor einem ähnlichen Projekt steht, in dem der Einsatz von Medientechnik eine entscheidende Rolle spielt?

Der Architekt hat auf Konzeption, Beauftragung von Fachingenieuren, Fachplanungen und Beauftragung von ausführenden Firmen gerade im öffentlichen Bereich wenig Einfluss. Er kann, falls er in den genannten Bereichen Fachkompetenz hat, den Bauherrn nur beratend unterstützen. Die Basis zum Gelingen eines solchen Projekts ist die gute Kommunikation aller beteiligten Projektpartner.

Vielen Dank für das Interview.


 

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